Man stelle sich vor, das eigene Leben liegt restlos in Trümmern. Die friedens- und umweltbewegte Exfrau lebt lieber mit einem jungen Anarchisten zusammen, und der Job bei einer Firma, die ganz nebenbei auch in Rüstungsgeschäfte verstrickt ist, ist auch weg. Man zieht wieder in die Kleinstadt, in der man aufgewachsen ist, um dort eine miese Arbeit als Autoverkäufer anzunehmen, die einem der eigene große Bruder vermittelt hat. Dann entdeckt man auf einmal im Keller des neu erworbenen Hauses einen Tunnel. Wenn man ihn durchschreitet, findet man sich 27 Jahre früher in der Vergangenheit sowie mitten in New York wieder. Dort lernt man zufällig eine Frau kennen, mit der man sich auf Anhieb bestens versteht. Wie würden Sie entscheiden?
Thomas Winter, der Protagonist des Romans tut, was wohl viele tun würden: Er schmeißt seinen Job als Autoverkäufer, lässt alles hinter sich und zieht von der Kleinstadt des Jahres 1989 ins New York des Jahres 1962. Anders als Zeitreisende anderer Romane nutzt er sein Zukunftswissen nicht, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Er will einfach ein ganz normales Leben in einer Zeit führen, in der die allgemeine Grundstimmung von Aufbruch und Optimismus beherrscht war. Das hätte wahrscheinlich auch funktioniert, wenn ihm nicht ein anderer Flüchtling aus einer ferneren Zukunft nach dem Leben trachten würde. Bei diesem handelt es sich um einen Deserteur aus einen künftigen Ökokrieg, der von den Militärärzten der Zukunft gleichzeitig zu einer biologisch manipulierten Kampfmaschine und einem seelischen Krüppel umfunktioniert wurde.
Die Story wird gradlinig erzählt und erhält kaum überraschende Wendungen. Ähnlich wie in den Romanen "Chronolithen" und "Spin" geht es mehr um die innere Entwicklung der Akteure als um das äußere Geschehen. Und wieder einmal spielt eine kaputte Existenz eine wichtige Rolle. Scheidung und Jobverlust sind offenbar zentrale Themen für Wilson. Immer wieder kommen sie in seinen Büchern vor. Wer Leser von, sagen wir mal T.C. Boyle oder John Irving auf den Geschmack von Science Fiction bringen will, dem sei angeraten, Bücher von Wilson zu empfehlen.
Allerdings handelt es sich bei dem vorliegenden Buch eher um ein Frühwerk. Die Reife von "Chronolithen" und "Spin" fehlt noch. Wer jedoch von schlechteren Wilson-Büchern wie "Quarantäne" (orig.: "Blind Lake") oder "Axis", in denen Wilson schwer nachgelassen hat, angeödet ist, dem sein "Chronos" allemal empfohlen.