Aus der Amazon.de-Redaktion
Eine magische Aura umweht den afrikanischen Straßenjungen Nelio: Noch nie hat jemand gewagt, ihn zu verprügeln. Vielleicht weil aus dem 10-Jährigen, dem sich die irdischen Abgründe viel zu früh erschlossen haben, eine greise Weisheit spricht. Jetzt aber liegt Nelio mit schweren Schusswunden auf dem Dach eines ärmlichen Theaters. Dort erzählt er -- zwischen kräftezehrenden Fieberschüben -- dem Bäckerjungen José Antonio Maria Vaz sein Leben. Das beginnt mit der Erinnerung an die Banditen, die sein Dorf niederbrannten, seine Schwester töteten und vor denen er geflüchtet ist, als sie ihn zwingen wollten, einen Verwandten zu erschießen. Und es endet bei den Straßenkindern in der Stadt, denen Nelio zu einem an Fairness und Reife geradezu übermenschlichen Anführer wurde: Gestohlen jedenfalls wird nicht unter seinem Regime; bestenfalls -- in der Villa eines verreisten Entwicklungshelfers -- der Kühlschrank leer gegessen.
Henning Mankell -- mit seinen Stories um den Kult-Kommissar Kurt Wallander dauerhaft auf den einschlägigen Bestseller-Listen vertreten -- präsentiert sich also seinen Fans hier nicht als Krimi-Autor, sondern als poetischer Anwalt der Chancenlosen: Derer, die gezwungen sind, "das Leben roh zu essen". Trotz aller Tragik des Sujets gleitet der Romancier, der dem heimischen Schweden zeitweise den Rücken kehrt, um in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo Theaterstücke zu inszenieren, aber nicht in schwermütige Betroffenheitsprosa ab. Es darf -- mit anderen Worten -- auch gelacht werden: Über die Tomaten- und Zwiebelkulturen beispielsweise, die in Mandiocas Hosentaschen hervorragend gedeihen. Oder über den schwerfälligen Tristeza, der eine Bank gründen will und dem Nelio für den Fall, dass er seine Denkgeschwindigkeit steigert, erst einmal ein Paar Turnschuhe verspricht.
Vor allem aber bekennt sich Der Chronist der Winde -- in Schweden mit dem Sveriges-Radio-Romanpreis 1996 ausgezeichnet -- bedingungslos zur Kraft der Träume: "Man kann fliegen, ohne sichtbare Flügel zu haben, dachte Nelio. Die Flügel sind in uns, wenn uns vergönnt ist, sie zu sehen." --Christine Wahl
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»Wer dieses Buch gelesen hat, begreift mehr vom Schicksal der Straßenkinder, versteht mehr, was Hoffnung ausmacht und wird Afrika mit anderen, klaren Augen als vorher sehen. Und er wird etwas von dem spüren, was das eigene Menschsein prägt.«
Jürgen Rüttgers (ehem. Ministerpräsident von NRW), Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln 19.12.2008»Wer immer dem Chronisten der Winde zugehört hat, wird Afrika anders sehen.«
Elmar Krekeler, Die Welt»Die Geschichte des Straßenkindes Nelio hat die Sachlichkeit eines Dokuments und den universellen Glanz einer Legende. Ein Buch von internationalem Rang.«
Sydsvenska Dagbladet»Die Botschaft des Stückes lautet: Das Elend der um ihr Leben kämpfenden Kinder resultiert aus Unwissenheit und Zivilisationsferne, mithin aus der Gleichgültigkeit der Reichen auf der Welt.«
Toni Meissner, Abendzeitung»Eine besondere Qualität des Romans liegt darin, dass der Autor Nelios Geschichte in einer dichten, poetischen und zuweilen auch ausgesprochen humorvollen Weise erzählt.«
Stiftung Lesen 19.03.2008»›Der Chronist der Winde‹ von Henning Mankell erzählt von den grausamen Schicksalen der Straßenkinder in Mosambik und wirft ein ganz eigenes Licht auf Afrika. Durch detaillierte Beschreibungen des Lebens auf der Straße, bringt Mankell die Welt der Ärmsten dem Leser nahe. Die Hauptperson Nelio erinnert daran, dass man nicht stets nach großen Wundern suchen sollte, sondern bereits die kleinen Ereignisse des Alltags besonders sein können.«
Kölner Stadtanzeiger 15.2.2007
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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