Der ‚historische' Teil der Geschichte der Vampire ist nun erzählt. Mit dem vorliegenden 4. Band der Chronik begibt sich Anne Rice zum ersten Mal mit ihren Vampiren direkt in die Gegenwart. Was jetzt aber nicht heißen soll, dass es nicht minder spannend zugeht wie in ihren ersten Werken.
Der ‚Körperdieb' ist ein äußerst spannend und tiefsinnig geschriebenes Buch, mit dem Anne Rice ihre führende Rolle in ihrem Genre untermauert. Lestat lässt sich mit einem gewissen Raglan James ein, damit dieser erfährt, wie es ist, ein Vampir zu sein und Lestat kann für 24 Stunden wieder spüren, wie es ist, ein verletzlicher und sterblicher Mensch zu sein. So weit so gut. Das nicht alles nach Plan verläuft, wie es sollte, ist eigentlich vorprogrammiert, aber ich will ja nicht das Ende der Geschichte erzählen. Es bleibt spannend bis zum Schluß und in diesem Buch wird die Talamasca, noch unter der Regie von David Talbot, richtig bei den Vampiren eingeführt. Im Vorgängerroman spielte dieser Bund schon eine gewisse Rolle, und in der Hexenstunde wird die Talamasca richtig präsent. Überhaupt wird dieser Bund nie wieder aus ihrer Hexen und Vampirliteratur verschwinden.
Also, David Talbot verguckt sich in Lestat und dieser auch in David. Und dann ist da noch der vollzogene Körpertausch mit Raglan James. Wie sich das alles verstrickt und auflöst ist eine Meisterleistung von Anne Rice. Und wäre das alles nicht schon genug, bedient sie sich auch noch bei Goethes Faust und ein Gretchen in Gestalt einer barmherzigen Krankenschwester betritt das literarische Parkett. Wie schon im Interview mit einem Vampir beschäftigt sich Anne Rice intensiv mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens und allem, was damit verbunden ist. Nur verstrickt sie das hier noch mit einem thrillerähnlichen Plot, bei dem auch Louis (mein Favorit) nicht fehlen darf. Die 539 Seiten sind viel zu schnell gelesen und machen wiederum neugierig auf die angekündigte Fortsetzung.
Ein Roman, den man lesen muss! Und nachdem sich mal wieder die Frage stellt, ob sie sich immer noch steigern kann. Jedenfalls unterstreicht dieser Roman wieder ihre herausragende Rolle in der Phantasyliteratur und macht es Nachahmern schwer, dort überhaupt Fuß zu fassen.