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am 22. Januar 2003
Alexander Kluge hat in dieser Textsammlung seine seit den 60er Jahren geschaffenen Prosawerke zusammengefasst und mit einigen wenigen neueren Texten ergänzt, ähnlich wie bei seinem theoretischen Werk in dem Zweiteiler "Der unterschätzte Mensch". Hier liegen also gesammelte Werke und nicht etwa ein einheitlicher Roman o.ä. vor. Die einzige Klammer, die das Werk (bedingt) zusammenhält, ist die Persönlichkeit des Autors mit ihren immer wiederkehrenden Leidenschaften z.B. für Geschichte und soziale Gerechtigkeit aber auch ihr Interesse für den einzelnen Menschen. Man sollte die einzelnen Geschichten für sich nehmen und nicht nach einem roten Faden im Gesamtwerk suchen, der sich aufgrund seiner Disparatheit jedenfalls auf Textebene nicht finden lässt. Viele Geschichten sind sehr knapp, fast protokollartig gehalten und erreichen dadurch gelegentlich die Dichte und den Charakter der Geschichten eines Raymond Carver. Ihr Verdienst ist es, vergessenes Leben festzuhalten, den Blick auf übersehene Winkel in Geschichte und Gegenwart zu lenken, die auch unser Leben betreffen. Wer die Spielfilme Alexander Kluges kennt, wird bei der Lektüre von der Chronik der Gefühle (Fiction) vielleicht ebenso enttäuscht, wie der Zuschauer seiner Fernsehsendungen von dem anderen Mammutwerk "der unterschätzte Mensch" (Non-Fiction). Beim Sehen vor allem der Fernsehsendungen denkt man immer: dieser Mann hält etwas zurück, etwas Großes, ein umfassendes Theoriegebäude, einen alternativen Ideenkomplex zur Erklärung von Allem. Hier ist es nun, wie schon vermutet, etwas großes und umfangreiches, aber etwas anderes als erwartet. Vielleicht besteht das Große nur aus solch kleinen Bausteinen von Leben und kleinen Geschichten darüber. Wieder bleibt das Gefühl von etwas Ungesagtem, Außenvorgelassenem. Es ist nicht der große Wurf. Was wird Alexander Kluge noch herausbringen?
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am 2. Juni 2004
Auf diesen fantastischen CDs sind kleine und kleinste Prosa-Stückchen versammelt, die vorgelesen manchmal nur Sekunden oder höchtstens Minuten dauern. Es finden sich kurze, bestürzend lebensnahe Dialoge, reportagehafte Trouvaillen (wie über den hingerichteten Elefanten auf Coney Island), historische Randnotizen, Portäts fiktiver Beziehungen, Selbstgespräche etc. Die Gedrängtheit, Knappheit und Dichte des Stils erzeugt eine grosse Spannung, insbesondere dann, wenn die Texte jäh und elliptisch enden. Und wie in Borges' Essays oder in W.G. Sebalds Romanen ist das Wieder-Erzählen, das Aufheben und Betrachten von verlorenenen und verblassten Geschichten und von scheinbar unbedeutenden Begebenheiten eine Rebellion gegen das menschliche Vergessen, die Zerstörung und die Indifferenz. Im Hörer erfährt der Stoff so eine magische Verwandlung, die erzählerische Bewegung erzeugt eine Ahnung von Geheimnis, einen Nachgeschmack von Trauer und bitterer Nostalgie ... aber nicht erschrecken! Kluges geniale Texte bestechen auch und gerade durch ihren Humor, die Virtuosität im Querlesen, das nüchterne -fast psychotische- Kurs-Halten auch in den verstiegensten Spekulationen.
Der verlebte Kontra-Alt Hannelore Hogers und die wohlbekannte Stimme des Autor selbst interpretieren diese Texte angemessen schnörkellos.
Sehr schön. Kaufen1
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am 21. Februar 2010
Dokumenthafte, semifiktionale, kleine, lose und auf verschlungenen Wegen miteinander zusammenhängende Fragmente hauptsächlich zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Geschichten voll mit Theorie und Abstraktion, mit Gedanken, nein, mit Denken selbst! Das auf 2000 Seiten. Was könnte trockener und anstrengender und langweiliger erscheinen als das? Doch Kluges Buch war über ein Jahr lang mein ständiger, geliebter Begleiter. Es bereitet Freude! Jeder Satz erstaunt und begeistert. Kluge ist nicht nur ungeheuer klug, übersprudelnd vor Einsichten und Ansichten, die die Welt neu sehen lassen, er ist auch ein Dichter. Nie erschien mir die Welt poetischer als in den Erzählungen und Beschreibungen, in den fiktiven Dialogen dieses Buches voll trunkener Nüchternheit. Kluge schafft die Vermählung von Vernunft und Poesie. Schönheit, die intelligent ist, oder Intelligenz, die schön ist.
Als Zitat eine Bildunterschrift:
"Sie wollte ihm die Schlüssel geben, er nahm sie nicht. Gerda Baethe, 1928. "Vollversammlung der Gefühle". Ließen sich die Gefühle an einem Fleck versammeln, wie eine Stadt, wäre dies "die menschliche Erfahrung." Gerda Baethe: "Eine Liebesgeschichte wäre es, wenn ich gleichzeitig ich selbst und mein Geliebter wäre."
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HALL OF FAMEam 14. Mai 2003
"die welt schätzt bloß das werk nach dem gewicht, nicht nach der zeit, worin es ist zustandegebracht worden" schreibt der physiker g.c. lichtenberg: über 2 kilogramm bringen die beiden bücher auf meine küchenwaage - und zeit haben die jeweils über 1000 seiten des doppelwerkes beim autor und beim leser sicherlich auch nicht zu knapp verschlungen: dennoch muss zugegeben werden, lichtenberg hat mit GEWICHT wahrscheinlich doch nicht die grammzahl gemeint. aber das andere gewicht hat die textsammlung auch: kluge spricht von einem inneren licht, von einer SEELENLAMPE, von orientierungslichtern, die die "leidenschaftliche beharrlichkeit" erzeugen, die ein menschenleben SINNvoll mache. und so lotet er den INNEREN KOMPASS aus, den die betrachtung so mancher biographie aufdecken kann. "ihr leben ist ein räuberhaufen von anfängen" schreibt kluge im kapitel "ein fester charakter" - zugegeben, manchmal ist es schwer, den faden im labyrinth des lebens nicht zu verlieren. manche fremde macht-ausübung kippt ein konzept aus der bahn, stülpt eine luftdichte MACHTGLOCKE über alle, die entkommen wollen. folgerichtig geht kluge auch dem KANTschen wunsch nach allgegenwärtiger gerechtigkeit nach - ironischerweise am beispiel des etwas zwangsneurotischen kriminalrats scheliha (band II, seite 688ff), der im januar 1945 in gegenrichtung (überrannt von fliehenden deutschen und nachrückenden russischen truppen) einem mörder und gutsbesitzer hinterherjagt. "wenn die gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen wert mehr, dass menschen auf erden leben" (KANT). anbetracht gewisser zeitumstände (gerade bei der plünderung von museen in bagdad neu-erlebt) kommt das recht öfters ins wanken. im dialog mit dem verstorbenen dramatiker heiner müller über eine stelle bei TACITUS kommt man zu dem schluss, dass dem SINNvollen zuliebe justiz auch zuweilen umgangen werden muss: so tat es jener römische henker, der zögerte, eine elfjährige zu enthaupten, weil ein noch älteres recht es untersagte, eine frau zu töten, bevor sie nicht wenigstens ein einziges mal einen mann gehabt habe. der anweisung, die elfjährige dann eben zunächst zu vergewaltigen und dann zu enthaupten, entzog er sich trickreich durch präsentation einer anderen frauenleiche, das mädchen zog er an tochter statt bei sich zu hause auf. eine geistreiche, gesetzesumgehende parallele als "eigentümer seiner eigenen zeit" lieferte jahrhunderte später der preußenkönig friedrich II. - die justiz hatte die verbrennung einer hexe angeordnet. friedrich "ließ die verurteilte hinter einer kulisse aus feuer und rauch hinwegbringen und sicher in einer kaserne verwahren. dann verheiratete er die hexe mit einem husaren. ... es soll ein homosexueller offizier gewesen sein." - damit meine rezension nicht den umfang eines alexander-kluge-textes annimmt, sei zum weiterlesen auf dieses dicke, aber bestimmt nicht langweilige jahrhundertwerk verwiesen ...
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HALL OF FAMEam 5. September 2004
kluge sucht wohl stets, in seinen büchern, fernseh-produktionen als auch hier, beim audio-buch-projekt: nach einem inneren licht, jener "SEELENLAMPE", einer art "orientierungslicht", welches jene "leidenschaftliche beharrlichkeit" in gang bringe, die ein menschenleben SINNvoll und belebt mache. und so lotet er in TV-, buch- und audio-veröffentlichungen besonders häufig den "INNEREN KOMPASS" aus, den die betrachtung so mancher biographie aufdecken kann. "ihr leben ist ein räuberhaufen von anfängen" bemerkt kluge im kapitel "ein fester charakter" - zugegeben, manchmal ist es schwer, den faden im labyrinth des lebens nicht zu verlieren. manche fremde macht-ausübung kippt ein konzept aus der bahn, stülpt eine luftdichte MACHTGLOCKE über alle, die entkommen wollen. folgerichtig geht kluge einer KANT'schen sentenz besonders hartnäckig auf den grund: "wenn die gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen wert mehr, dass menschen auf erden leben". im dialog mit dem verstorbenen dramatiker heiner müller über eine stelle bei TACITUS wird der zuhörer zu dem schluss geführt, dass dem SINNvollen zuliebe JUSTIZ auch zuweilen umgangen werden muss: so tat es jener römische henker, der zögerte, eine elfjährige zu enthaupten, weil ein noch älteres recht es untersagte, eine frau zu töten, bevor sie nicht wenigstens ein einziges mal einen mann gehabt habe. der anweisung, die elfjährige dann eben zunächst zu vergewaltigen und dann zu enthaupten, entzog er sich trickreich durch präsentation einer anderen frauenleiche; das mädchen zog er an tochter statt bei sich zu hause auf. eine geistreiche, gesetzesumgehende parallele als "eigentümer seiner eigenen zeit" lieferte laut kluge jahrhunderte später der preußenkönig friedrich II. - die justiz hatte die verbrennung einer hexe angeordnet. friedrich "ließ die verurteilte hinter einer kulisse aus feuer und rauch hinwegbringen und sicher in einer kaserne verwahren. dann verheiratete er die hexe mit einem husaren. ... es soll ein homosexueller offizier gewesen sein." - wer also keine zeit hat, sich durch kluges dicke bücher zu fressen, der sollte unbedingt die chance nutzen, seinen eigenen tätigkeiten nachzugehen: bügeln, kochen, anstreichen - und gleichzeitig bei im hintergrund laufender kluge-CD seine grauen zellen parallel mit tiefergehenden SINN-fragen herumturnen zu lassen ...
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