Bis vor Kurzem hatte ich noch kein Werk von H. P. Lovecraft gelesen, aber als Stephen King Fan hat mich dessen Zitat "Der größte Horrorautor des 20. Jahrhunderts ist H.P. Lovecraft - daran gibt es keinen Zweifel" auf dem Cover des Buches gleich angesprochen.
Und ich wurde nicht enttäuscht: Die Art und Weise, mit der Lovecraft seinen Geschichten etwas Mythisches, gleichzeitig Bedrohliches verpasst und die Fantasie des Lesers motiviert ohne dabei eine starre Vorstellung des Bösen fest in den Köpfen zu verankern ist mir bisher noch nicht untergekommen.
Auch die Anordnung der Werke innerhalb des Buches ist gut gewählt. So startet man mit sehr kurzen Geschichten ("Dagon" 12 Seiten, "Nyarlathotep" 6 Seiten, "Stadt ohne Namen" 20 Seiten...), die einem die Chance geben, sich auf den Schreibstil Lovecrafts einzulassen. Die längeren Werke (darunter auch "Der Fall Charles Dexter Ward", mit 176 Seiten zugleich das längste des Autors) befinden sich weiter hinten im Buch.
Das Inhaltsverzeichnis im Überblick:
Vorwort 9
Dagon 15
Nyarlathotep 27
Stadt ohne Namen 33
Die Musik des Erich Zann 53
Das Fest 67
Der Ruf des Cthulhu 81
Die Farbe aus dem All 125
Geschichte des Necronomicons 165
Der Fall Charles Dexter Ward 175
Das Grauen von Dunwich 351
Der Flüsterer im Dunkeln 411
Neben dem Vorwort, das im Inhaltsverzeichnis angegeben ist, existieren vor jeder einzelnen Geschichte weitere Vorworte, die interessante Informationen zur Entstehung der jeweiligen Geschichte geben. So wird auf Inspirationsquellen, die finanzielle und mentale Situation Lovecrafts, seine Intuition und viele weitere Aspekte eingeganen.
Natürlich kann man die Kommentare einfach überspringen, aber so würde einem z.B. entgehen, dass "Der Fall Charles Dexter Ward" nie von Lovecraft veröffentlicht wurde (er hat die Geschichte unter Anderem handschriftlich auf verschiedene Zeitungen aufgeschrieben) oder, dass die "Geschichte des Necronomicons" vor allem verfasst wurde, um Widersprüchen bezüglich des vom verrückten Abdul Alhazred geschriebenen, verbotenen Buches vorzubeugen. Das Necronomicon kommt nämlich in sehr vielen von Lovecrafts Geschichten vor.
Weniger schön ist, dass der Kommentar von M. Frenschkowski gelegentlich unglaublich störende Spoiler enthält. Die haben mich zwar nicht vom Lesen abgehalten, sind aber unnötig und nehmen manchen Geschichten Einiges an Spannung. Viel eleganter wäre hier eine Art X-Factor-Kommentar gewesen, indem man vor der Geschichte über deren Entstehung informiert und als Nachtrag weiterführende Überlegungen beilegt.
Bei der vorliegenden Herangehensweise sind Erstleser leider immer hin- und hergerissen zwischen Lesen oder Überspringen des Kommentars. Interessante Inhalte würde man aber vor dem schmökern gerne wissen.
Trotz der nicht ganz astreinen Kommentare hat die "Chronik des Cthulu-Mythos I" definitiv 5 Sterne verdient. Die Geschichten sind toll geschrieben und mit netten Informationen unterfüttert. Ich freue mich jetzt schon darauf, den zweiten Teil dieses Sammelwerks von H.P. Lovecraft zu lesen.