Kurzbeschreibung
Subversive Farbenlehre Es beginnt damit, daß jemand eine Party bei einem Kunstsammler besucht und die Schrecken von Weiß kennenlernt - des aggressiven, anklagenden und gnadenlosen Weiß, in welchem das Interieur gehalten ist. Auf den anekdotischen Beginn folgt eine essayistische Reise durch Kunst, Architektur, Design, Kosmetik, Philosophie, Mode und Film. Es geht um Farbe, genauer, um die Angst vor der Farbe und das, wofür sie steht. Batchelors Plädoyer gegen die "Diskriminierung der Farbe" setzt immer wieder neu und an vielen Stellen zugleich an. Farbe - so die These - ist und steht für das Gegenteil von Vernunft, Ordnung und Reinheit und wird deshalb verdrängt und bekämpft - oder gefeiert. Die Belege dafür stammen von Philosophen, Künstlern, Regisseuren und Dichtern, wie Baudelaire, Warhol, Huxley, Bachtin, Stella, Rushdie, Barthes, Wittgenstein, Jarman, Kristeva, Goethe, Ives Klein, um nur einige zu nennen. Die Verdrängung der Farbe ist kein Zufall. Sie paßt in das Konzept der Moderne als Prozeß der Rationalisierung, die alles "Andere" ausschließt. In diesem Sinn wurden etwa in der Kunsttheorie Linie und Form privilegiert. Die Farbe wurde dagegen als primitiv, infantil, weiblich, exotisch und pathologisch abgetan oder als etwas nur Zufälliges und Zusätzliches behandelt. Eine entscheidende Phase in der Geschichte der Farbe beginnt für Batchelor mit der Verwendung von industriellen Farben in Minimal und Pop Art. Sie verweist nicht nur auf einen neuen Stil, sondern grundsätzlich auf ein neues Verhältnis von Kunst und Gesellschaft in den sechziger Jahren.
Der Verlag über das Buch
Egal ob chromophob oder chromophil, meistens haben die Farbgeschichten einen gewissen apokalyptischen Zug. Oder etwas Ozeanisches. Farbe ist gefährlich. Sie ist eine Droge und bedeutet zumindest vorübergehend den Verlust des Bewußtseins und eine Art Blindheit. Farbe zwingt oder führt zu Unschärfe, sie ist schlicht Verlust von Identität und Selbst. Eine Gedankenlosigkeit vielleicht, eine Art Delirium und Wahnsinn. Aber das gilt nicht immer und nicht für alle. Am anderen Ende des Spektrums liegt Farbe einer anderen, weniger katastrophalen Art: die Farbe der Kosmetik.