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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erinnerungen an die Kostbarkeit von Zeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Christus kam nur bis Eboli. (Broschiert)
Lukanien ist ein Landstrich im Süden Italiens. Carlo Levi macht uns mit dessen Menschen und Landschaften so vertraut, als wären wir selbst dort gewesen. Der mit dem Autor idente Arzt, Maler und Schriftsteller wurde 1935 als Antifaschist dorthin verbannt und wurde mit diesem Buch zu einem Fürsprecher, Vermittler und Kämpfer für die Verbesserung sozialer und medizinischer Missstände.Levi beschreibt die vielfältigen Verflechtungen der dort lebenden Menschen. Dabei ist er nicht nur außenstehender Beobachter, sondern er nimmt Anteil an ihren Sorgen. Er behandelt sie als Arzt, obwohl er vorher noch nie praktizierte, und wird selbst einer der ihren. Angesprochen wird die Armut der Bauern und ihre Ausbeutung durch die von den Großgrundbesitzern beauftragten Steuereinnehmer, die enge Verbundenheit der Menschen zu Tieren und Geisterwesen. Er berichtet von der allgegenwärtigen Malaria und der Nachlässigkeit in deren Bekämpfung von seiten der Behörden. All diese Themen behandelt er mit Engagement und seine eigenen Ideen und Empfindungen sind dabei stets erkennbar. Der Kargheit der Landschaft, der unfruchtbare Lehmboden findet Ausdruck in der resignativen Haltung der Bauern und ihrer Schicksalsergebenheit. Ihre Aufstände sind kurz, heftig und unorganisiert und damit zum Scheitern verurteilt. Lukanien ist ein von der Zivilisation unberührtes Land mit einer eigenen archaischen Kultur und einem tief eingewurzelten Misstrauen allem Staatlichem gegenüber. Trotz der beschriebenen Missstände und der herrschenden Armut wirkt diese Abgeschlossenheit und dieses aus der Zeit Herausfallen auch anziehend. Die erschlossenen Orte und die inneren Räume der Menschen bieten einen überschaubaren Kosmos, der einem das Verweilen angenehm macht. So bildet das Gehen schon bekannter Wege, die Treffen mit schon bekannten Menschen in ihrer Eintönigkeit und vordergründigen Langeweile einen Kontrapunkt zur Überschwemmung mit Reizen und erinnern an die Kostbarkeit gelebter Zeit. Dieser Aufenthalt in Gagliano ist für Levi nicht nur ein Ort der Verbannung, sondern auch eine Möglichkeit zu sich selbst zu finden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vorchristlicher Mezzogiorno,
Von
Rezension bezieht sich auf: Christus kam nur bis Eboli. SZ-Bibliothek Band 61 (Gebundene Ausgabe)
Wer selbst einmal durch die Sassi von Matera mit ihren Höhlenwohnungen und Grottenkirchen, die heute zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen, gegangen ist, bekommt in etwa einen Eindruck von dem Elend in den Städten und Dörfern Lukaniens, heute Basilicata, wie sie Carlo Levi in seinem Buch beschreibt.Es handelt sich nicht um einen Roman, sondern um die in essayistischer Form geschriebenen Erinnerungen eines vom faschistischen Regime Verbannten in Grassano und später Aliano (im Buch Gagliano genannt), einer herben, trostlosen Gegend, von der die Einwohner sagen, dass sie keine Christen, sprich Menschen wären, da Christus nur bis Eboli gekommen sei. Er hat es einfach nicht mehr geschafft, in die Bergwelt der Basilicata zu gelangen, weshalb hier die Zeit in einer vorchristlichen Phase stehengeblieben ist. Völlig abgeschieden von der modernen Welt Mitte der Dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts leben die Menschen dort in bitterer Armut nach archaischen Gebräuchen und voller Aberglauben. Rom und die Politik sind weit weg. Der Krieg in Abessinien interessiert die Bauern nicht. Einzig die Rückkehr vereinzelter Auswanderer nach Amerika kündet von einer anderen, fernen Welt. Der Turiner Arzt und Künstler Carlo Levi schildert seinen zweijährigen Zwangsaufenthalt, währenddessen er seinem Heilberuf - offiziell - nicht nachgehen darf, obwohl die Malaria ihre Opfer fordert. Er beschreibt Volksmagie, Hexenglaube und Zaubereien, die den Alltag bestimmen, eine Welt mit Wolfsmenschen, Teufelsziegen und Kuhmüttern, Wundern und getöteten Drachen. Trotzdem behaupten sich die Einwohner in einem täglichen Überlebenskampf mit einer Portion gesunden Misstrauens gegen die (faschistische) Obrigkeit. Die einzige Abwechslung im Leben bieten Hochzeiten, Gaukler und der "Ferkelverschneider". Die grausame "Kunst" der Kastration von Ferkeln wird hier ausführlich geschildert. Carlo Levi beschreibt in diesem Werk seine langsame Annäherung an die vorchristliche Kultur des Südens, die zuerst seine Neugierde weckt und schließlich in Solidarität und Freundschaft mündet. Es gibt keine Handlung, keinen "Plot", dafür eine bewegende, liebevolle Schilderung des Lebens im Mezzogiorno in einer vergangenen Epoche ohne jegliche Verklärung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mitten in Europa,
Rezension bezieht sich auf: Christus kam nur bis Eboli (Taschenbuch)
Eine ganz fremde Welt, gar nicht weit entfernt. Der in ein Bauerndorf verbannte Faschismusgegner lernt nicht nur ein für ihn neues Italien, sondern auch eine neue Gesellschaftsform kennen. Aus dem reichen Norden stammend gönnt er es sich bei allem mit offenem Mund zu staunen, über die Bauern, die ihren Alltag weiterhin vor sich hin leben den Kopf zu schütteln und die Landbürokratie zu tadeln. Er erlebt im Mikrokosmos, was er aus dem Makrokosmos kennt und überträgt diese Gewohnheiten in sein aufgezwungenes Nest. Obwohl er überheblich agiert, so gut er das auch versucht während des Buches zu kaschieren, ist er trotzdem die Sympathiegestalt, der Leser wird beim Lesen zum Bauern. Dank des reichhaltigen Sprachvermögens des Autors wird das Buch trotz fehlen von jeglicher Aktion niemals langweilig. Die Abschnitte, in denen tatsächlich der Versuch gemacht wird die Lesefluss zu forcieren wirken fast störend, schöner ist das Lesevergnügen, wenn einem die Geisterwelt, das Aussehen der Gebirge oder das Gehabe des Bürgermeisters geschildert wird. Leider mit sehr vielen Tipp- und Rechtschreibfehlern, vom Verlag, so wie es scheint, überhaupt nicht lektoriert worden.
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