Wer selbst einmal durch die Sassi von Matera mit ihren Höhlenwohnungen und Grottenkirchen, die heute zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen, gegangen ist, bekommt in etwa einen Eindruck von dem Elend in den Städten und Dörfern Lukaniens, heute Basilicata, wie sie Carlo Levi in seinem Buch beschreibt.
Es handelt sich nicht um einen Roman, sondern um die in essayistischer Form geschriebenen Erinnerungen eines vom faschistischen Regime Verbannten in Grassano und später Aliano (im Buch Gagliano genannt), einer herben, trostlosen Gegend, von der die Einwohner sagen, dass sie keine Christen, sprich Menschen wären, da Christus nur bis Eboli gekommen sei. Er hat es einfach nicht mehr geschafft, in die Bergwelt der Basilicata zu gelangen, weshalb hier die Zeit in einer vorchristlichen Phase stehengeblieben ist.
Völlig abgeschieden von der modernen Welt Mitte der Dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts leben die Menschen dort in bitterer Armut nach archaischen Gebräuchen und voller Aberglauben. Rom und die Politik sind weit weg. Der Krieg in Abessinien interessiert die Bauern nicht. Einzig die Rückkehr vereinzelter Auswanderer nach Amerika kündet von einer anderen, fernen Welt.
Der Turiner Arzt und Künstler Carlo Levi schildert seinen zweijährigen Zwangsaufenthalt, währenddessen er seinem Heilberuf - offiziell - nicht nachgehen darf, obwohl die Malaria ihre Opfer fordert. Er beschreibt Volksmagie, Hexenglaube und Zaubereien, die den Alltag bestimmen, eine Welt mit Wolfsmenschen, Teufelsziegen und Kuhmüttern, Wundern und getöteten Drachen.
Trotzdem behaupten sich die Einwohner in einem täglichen Überlebenskampf mit einer Portion gesunden Misstrauens gegen die (faschistische) Obrigkeit. Die einzige Abwechslung im Leben bieten Hochzeiten, Gaukler und der "Ferkelverschneider". Die grausame "Kunst" der Kastration von Ferkeln wird hier ausführlich geschildert.
Carlo Levi beschreibt in diesem Werk seine langsame Annäherung an die vorchristliche Kultur des Südens, die zuerst seine Neugierde weckt und schließlich in Solidarität und Freundschaft mündet. Es gibt keine Handlung, keinen "Plot", dafür eine bewegende, liebevolle Schilderung des Lebens im Mezzogiorno in einer vergangenen Epoche ohne jegliche Verklärung.