Wie kann man sich von der Vielzahl anderer Aufnahmen unterscheiden? Durch eine sehr ungewöhnliche Interpretation oder durch eine besondere Verpackung.
Das letztere ist dieser Aufnahme wirklich gelungen. Zwei Cds umrahmen ein kleines Buch zum Weihnachtsoratorium."Zwischen den Platten finden sich aufschlussreiche Aufsätze, etwa eine musikalisch-rhetorische Deutung des Weihnachts-Oratoriums als musikalische Predigt von Boris Kehrmann und Gedanken über Liturgie, Theologie und Einheit von Robin A. Leaver." Man wird über theologische Zusammenhänge, über die Entstehungsgeschichte dieses Werkes und die Aufführungspraxis im Leipzig der Jahre 1733 ff. informiert. In einer Zeit liebloser Produktpräsentation eine sehr lobenswerte Ausnahme.Da hat sich ein team Mühe gegeben, ein Werk unter verschiedensten Gesichtspunkten zu präsentieren.
Insoweit ist diese Aufnahme einmalig.
Und musikalisch ?
"Alle wichtigen Entscheidungen in Sachen Tempo und Dynamik sind geglückt, Phrasierung und Artikulation folgen den variablen musikalischen Strukturen und Charakteren. Die von Daniel Reuss exzellent vorbereitete Cappella Amsterdam singt mit schlanken, gleichwohl klangfreudigen Registern, besticht durch vorbildliche Textbehandlung ebenso wie durch eine überzeugende dynamische Kontrolle. Gerade auch in den schlichteren Chorälen zeigt sich das Ensemble sehr geschlossen und sensibel." meint Matthias Lange. In der Tat kann ich mit dieser Meinung anschliessen. Teilweise wählt Vriend ein sehr zügiges Tempo, zum Beispiel Eingangschor der fünften Kantate, aber es klingt nie verhetzt. Die Textverständlichkeit des Chores ist tadellos.
Und die Solisten?
Aussergewöhnlich sind sie nicht: Ein Dürmüller ist kein Peter Schreier. Am wenigsten gefällt mir der Bass-Bariton Roth. Aber Stimmen sind hochgradig Geschmacksache und schlecht sind die Solisten keinesfalls. Und die Konkurrenz der Stimmen ist bei diesem Werk wirklich sehr gross.
Insgesamt ein sehr interessantes Angebot in der (Über)Fülle der Aufnahmen.