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30 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Dylan bleibt sich treu, 21. Oktober 2009
Sicher war es eine Überraschung, zu hören, dass Dylan eine Weihnachtsplatte machen würde, aber wenn man den ersten Schock erst einmal überwunden hat, scheint es nur konsequent, und die Platte klingt auf erstaunliche Weise eben genauso, wie man sich eine Weihnachtsplatte von Dylan vorstellt - das kann man natürlich mögen oder nicht. Dylan hat bereits vor zwei Jahren eine zweistündige Radioshow zum Thema Christmas gemacht, und alle seine Platten seit "Love & Theft" orientieren sich an einem Sound und einer Tradition, die noch hinter seine ersten LPs aus den frühen Sechzigern zurückgeht. Mit seinem Ultra-Retro-Weihnachtsalbum ist er damit nur ein kleines bisschen stockkonservativer als heute jene "Fans", die 2009 noch versuchen, ihn auf eine Protestsong-Schiene festzunageln, die er spätestens 1964 verlassen hat. Und dass er nun nach vier von der Kritik hochgejubelten und allseits freundlich abgenickten "Meisterwerken" endlich wieder eine Platte gemacht hat, die für heftige Kontroversen sorgt, ist doch sehr zu begrüßen und sollte ihm selbst neue Energie geben. Was kommt wohl als Nächstes?
Sicher ist es nicht seine beste Platte (he, wer könnte das erwarten?), aber wie schon "Together through life" zeichnet sie sich eben auch durch eine erfrischende Unbekümmertheit und eine Freude an der Musik aus, die alle Unvollkommenheiten wettmacht. Dylan weiß, dass er "Blonde on Blonde" nicht noch einmal neu erfinden wird, aber endlich schert er sich auch nicht mehr darum, sondern macht, was ihm Spaß macht. Ich denke, dass ihm die weltlichen "Crooner"-Balladen hier am besten gelungen sind, "I'll be home for Christmas", "Have yourself a merry little Christmas", "The Christmas Song". "Must be Santa" ist eine grandiose Mischung von Polka, Punk und Kindergarten-Abzählreim, und "The Christmas Blues" ist nun wirklich ein grundsolider Dylan-Blues, den sich jeder Fan auf einen Sampler brennen könnte, ohne sich deshalb schämen oder rechtfertigen zu müssen.
Ich bin kein großer Freund von Weihnachten und Weihnachtsliedern - diese Scheibe wird mir aber in Zukunft die Glocken etwas süßer klingen lassen, und ich freue mich, jetzt neben Bachs Weihnachtsoratorium noch etwas anderes zu haben, mit dem ich fortan alle Jahre wieder meine Familie quälen kann.
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24 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
vielleicht hat es sich wie folgt zugetragen ..., 31. Oktober 2009
manager: servas zimmerman bertl, heast weihnachten is bald, machma heuer endlich die weihnachtsscheibn, von der ma scho ewig redn ? bob: waßt wos oida, heia hob i wirklich bock drauf, des moch ma. manager: waßt oba eh wos sie sagn werdn, 50 % san begeistert, 50 % sagn bullshit. bob: geh bitte, is doch eh jedesmal des gleiche, heast des geht doch scho so, seitdem i die stromgitarr' angsteckt hab. oba soll i dir was sagn - des ist mir - wie damals a scho - sowas von wurscht. manager: des waß i eh. bob: und jetzt sog i da no wos - trotzdem werdn sas olle kaufn, und waßt wos - die einnahmen spend ma. manager: zimmerman, du bist echt a wahnsinn, des hätt ma söba a einfalln kennan. mir treffn uns nächste wochn im studio. und jetzt gemma auf a bier.
was soll man da noch sagen - KAUFEMPFEHLUNG
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19 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Merry Xmas, Onkel Bob!, 10. Oktober 2009
Die gute Nachricht zuerst: Mr. Tambourine Man nimmt wieder Drogen! Die schlechte: Es sind die falschen!" So oder so ähnlich dürften die Kommentare geklungen haben, als die ersten Gerüchte im Internet zirkulierten, dass Bob Dylan (Ja, der Bob Dylan!) eine Platte mit Weihnachtsliedern veröffentlichen würde. So oder so ähnlich habe auch ich gedacht, als ich davon las. Nun ist sie also da: Christmas In The Heart" - außen ein grauenhaft kitschiges Cover mit verschneiter Dorflandschaft, Pferdeschlitten, Kutscher und muffbewehrter Lady. Innen ein Pin-Up-Girl mit Santa-Mütze, rotweißem Mantel und pelzbesetzten Stiefelchen, das dem Betrachter die üppigen Brüste entgegen reckt. Columbia Christmas Recording" lese ich auf dem in festlichem Rot gehaltenen Silberling. Und dann? Here Comes Santa Claus, here comes Santa Claus" röchelt der alte Kannibalenhäuptling, und ein gar lieblicher Engelschor säuselt: Right down Santa Claus Lane". Ja, Onkel Bob nimmt wieder Drogen - aber diesmal sind es die richtigen. Um es kurz zu machen: Diese Platte ist ein Meisterwerk. Hätte Barbara Streisand die gleichen Songs im selben Arrangement aufgenommen, wäre das der ultimative Stimmungskiller unter dem Tannenbaum geworden. Verstaubter Mainstream bis zum Abwinken. Doch Onkel Bob ist nicht Barbara Streisand. (Die, falls Sie das nicht wissen sollten, ebenfalls der jüdischen Kultusgemeinde angehört und somit eigentlich keine Weihnachtslieder singen dürfte.) Dylan - und daran kann kein Zweifel bestehen! -, liebt diese Art von Musik. Wer das nicht glauben mag, sollte mal bei einer der um die hundert Folgen seiner Theme Time Radio Hour" reinhören. Er tut das, was man von einem Genie erwarten darf: Er tut das Unerwartete. Die ausgefeilten, ja, fast zuckersüßen Arrangements konterkariert er mit seiner Totengräber-Stimme und schafft es dergestalt, eine Hommage und gleichzeitig eine ironische und höchst unterhaltsame Dekonstruktion dieser zu Tode genudelten Standards abzuliefern. So wechseln Momente stiller Einkehr (Hark The Herald Angels Sing", The Christmas Blues", The Christmas Song") nahtlos mit Phasen augenzwinkernder Hintertriebenheit (Here Comes Santa Claus", Christmas Island"). Insgesamt handelt es sich um ein höchst homogenes Werk,. Dennoch erlaube ich mir, zwei persönliche Favoriten zu nennen: zum einen die herrlich überdrehte Polkaversion von Must Be Santa" - zweifelsohne die schnellste Nummer, die Dylan jemals abgeliefert hat. (So schnell, dass David Hidalgo an einer Stelle mit dem Akkordeon nicht mehr hinterher kommt! Ein kleiner, kostbarer Moment, der vom Produzenten Jack Frost (!) alias Dylan natürlich nicht korrigiert wurde!) Und zum anderen der ultimative Judy-Garland-Klassiker Have Yourself A Merry Little Christmas", den Dylan mit so viel Gefühl und Empathie singt, dass es einem Tränen in die Augen treibt. Natürlich ist das nur Spekulation, doch ich denke, der Meister hat sich hier ganz tief vor dieser Künstlerin verbeugt, die, wie er, aus Minnesota stammte, und leider viel zu früh an den Folgen ihres Ruhms zerbrach.
Bob Dyan ist 68 Jahre alt. Er hat Millionen Platten verkauft, Reichtum und Ruhm erworben, das Leben von ungezählten Menschen auf die ein oder andere Weise beeinflusst. Er muss niemandem etwas beweisen. Er muss keine Rücksicht auf Wen-auch-immer nehmen. Er tut das, was er tun will - und sein Status als lebende Ikone gibt ihm jedes Recht dazu. Wenn er sich demnächst entschließen sollte, Bach's Goldberg-Variationen auf dem Kamm zu blasen, so what? Größe und Talent kann man nicht kaufen - man muss sie sich verdienen. Merry Xmas, Onkel Bob!
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