Christine Weiner

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Fünf Fragen an Christine Weiner


Renate, Nele und Trudi kennen sich seit der Jugend. Auch Sie haben zwei enge, beste Freundinnen. Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Roman?
Ich bin mit meinen Freundinnen tatsächlich 1981 nach Frankreich gereist und die eine, die in Wirklichkeit Annette heißt, war dann etwas später in der italienischen Kooperative. Wir fanden das megacool, obwohl es ja damals das Wort noch gar nicht gab. Also es war stark, bzw. bock- oder saustark. Wie im Buch feiern wir immer Weihnachten zusammen und die Kiste mit den Tagebüchern gibt es auch. Ich stellte mir also vor, wie es wäre, wenn wir nochmal so „wie damals“ reisen würden und bin dem Himmel dankbar, dass ich nur im Roman wieder auf Isomatten schlafen muss.

Was bedeutet für Sie Freundschaft?
Freundschaft ist Familie. Ich habe keine Kinder und habe dennoch welche, denn die Kinder meiner Freundinnen sind meine Wahl-Nichten und Wahl-Neffen geworden. Ich war bei den Geburten der Mädchen dabei (weil ich mit 20 Hebamme werden wollte) und bin ihre „Tante“. Übrigens bestehe ich auch darauf, so gerufen zu werden, denn ich finde, es gibt viel zu wenige Tanten heutzutage. Sie wissen schon, die, die 20 Euro zustecken und dafür schmatzende Küsse kassieren. Meine Freundinnen und ich, wir sind Komplizinnen, Verbündete, auch wenn es in den fast 50 Jahren Freundschaft zwischen uns Zerwürfnisse und lange Pausen gab. Eine lange Trennung von Annette ist nun etwa sieben Jahre her. Das Schweigen zwischen uns war damals unglaublich schrecklich. Ich habe damals ein Ratgeber Buch verfasst, Blöde Kuh – über den Bruch in der Frauenfreundschaft. Darin heißt Annette auch Renate. Den Namen Renate hatte ihr in unseren Jugendtagen mein Vater verpasst, ich wusste, sollte Annette das Buch je in die Hände bekommen, dann würde sie sofort wissen, dass sie gemeint war. So kam es dann auch. Das Buch fand Annette über ihre Eltern, die es ganz schrecklich fanden „… dass die Mädchen nicht mehr zusammen sind“.

Die erste Reise nach Frankreich 1981 haben Sie mit ihren beiden Freundinnen tatsächlich so wie im Roman beschrieben gemacht. Wie war es für Sie, die zweite, fiktive Reise in Gedanken zu durchleben?
Na ja, bei der ersten Reise bekamen wir noch Connys jüngere Schwester mit ins Gepäck, wir waren also zu viert in unserem Fuchur unterwegs. Wir waren vollgepackt bis unters Dach, und die schrecklichste Erinnerung ist eine Steige überreifer Honigmelonen, die Annette für uns billig erstand und die uns das ganze Auto geruchsmäßig verklebte. Und das, obwohl eigentlich nur sie Honigmelonen mag. Aber die waren halt so billig ;-) Die Romanreise war sehr spannend, besonders deswegen, weil ich ja durch das Schreiben ständig mit beiden in Kontakt war. Wenn dann abends eine von beiden anrief, dann dachte ich: Was ist denn jetzt schon wieder! Dabei hatten wir uns eigentlich ein paar Tage nicht gesprochen. Ich konnte uns in dem Zelt förmlich fühlen, musste lachen und auch weinen, verstand Annette und ihr Lachen, liebte Conny einmal mehr für ihre praktische Natur und fand die Nacht in den Schweizer Bergen grandios. Als ich vor wenigen Tagen mit beiden zusammen war, da empfand ich unsere Zeit so natürlich und harmonisch, als wenn wären wir wirklich aus einem gemeinsamen Urlaub gekommen. Der Höhepunkt war dann das Cosy-Konzert (Crosby, Stills und Nash), das wir an meinem Geburtstag in Mannheim besuchten. Conny flüsterte mir ins Ohr: „Die Akustik ist schlecht, oder?“ und nickte glücklich. „Ja, aber wir werden es Annette nicht sagen!“

Ein wichtiges Thema im Buch ist auch das der Entschleunigung: Wie gehen wir damit um, ohne Handy, Internet zu leben? Könnten Sie sich vorstellen, auf Ihr Smartphone und Ihren Laptop zu verzichten?
Ja, das war ein Genuss in dem Buch und ich erschrak selber über mich, als die Trudi an einer Stelle denkt: „Wenn ich mal heirate, dann sollte dazu die Musik von Windows spielen und zwar dann, wenn der Computer hochfährt.“ In der ersten Fassung hatte ich sogar an Begräbnis und symbolisch, wenn der Computer runterfährt gedacht, das war mir dann aber doch zu orakelhaft gewesen. Mir wurde beim Schreiben klar, dass es die mangelnde Technik und das fehlende Geld sind, was die drei zueinander brachte. Wenn man ständig smst und mailt, dann ist die Gefahr groß, permanent über andere zu reden. (Weißt du, wer geschrieben, wann was gesagt hat.) Auch Facebook finde ich eigentlich eine Qual, obwohl ich jetzt eine Seite aufmachen möchte, auf welche die Leserinnen ihre Geschichten schreiben können, denn immer wenn ich von dem Buch erzähle, fangen die Menschen sofort mit ihren Geschichten an. Da braucht es eigentlich nur das Wort R4. Irgendwie sitzen schon jetzt nicht mehr drei Frauen im R4, sondern 3000. Im Alltag merke ich, dass ich mit der Technik bewusster umgehe. Manche Menschen antworten nicht mehr auf Mails, weil sie einfach überfordert sind. Der gute alte Anruf tut dann gut und zwar der mit einem Telefon mit Schnur, denn mobile Telefone, Smartphones sind zwar grandios, aber die Verbindung so oft grottenmäßig. Der Hörgenuss ist verloren gegangen. Anrufe aus dem Auto finde ich so oder so ganz schrecklich … aber das ist eine andere Geschichte.

Gibt es eine Vision?
Ich glaube nicht, dass Annette, Conny und ich in eine Alters-WG passen, es sei denn, es sind genügend Küchenmesser da, und in dem Fall wäre es mit der WG ganz schnell vorbei. Je länger wir uns kennen, desto fürsorglicher und nachsichtiger werden wir miteinander. Wir lassen uns gegenseitig Raum, die Persönlichkeiten dürfen sich zeigen, verändern, weiter wachsen und auch Fragezeichen haben. Es ist ein stilles sich aufeinander Verlassen, und wir wissen, dass unter diesem Mantel auch unsere Familien, die alten Eltern, die Kinder, die Partner und andere Freunde wohlbehütet sind. Dass wir uns haben, macht uns dankbar, aber wir wissen auch, Freundschaft ist ein Geschenk, das man sich selbst machen muss, denn Freundschaften sind wie Beziehungen: du bekommst das zurück, was du hinein gibst. Wenn du dich selbst liebst und dir selbst verzeihst, dann kannst du auch deine Freundin lieben und ihr verzeihen. In Krisen fordern dich Freundschaften auf, nicht aufzugeben und immer wieder den eigenen Schatten zu überspringen und das genau so lange, bis die Freundschaft wieder fließt und das Lachen wieder klingt. Und das kommt wieder. Versprochen!

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