6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hammer!, 9. August 2004
Der junge Arnie Cunningham hat es nicht leicht. Er ist hässlich, hat nur einen einzigen richtigen Freund, und ist der typische Prügelknabe der Schule. Doch sein Leben ändert sich grundlegend an dem Tag, an dem er „Christine" begegnet. Christine verdreht ihm den Kopf, er verliebt sich in Christine, und verbringt seine komplette Freizeit mit ihr. Christine ist - ein Auto! Arnies bester Freund Dennis stellt nach und nach fest, dass sich sein unscheinbarer und trotteliger Freund immer mehr verändert bzw. sich in eine völlig fremde Person verwandelt, je mehr Zeit er mit seinem neuen Auto verbringt. Bald ist Dennis überzeugt - etwas an „Christine" stimmt nicht. Und es dauert nicht lange, bis sein Verdacht bestätigt wird, denn bald sterben die ersten Leute unter seltsamen Umständen. Dennis wird klar, Christine ist alles andere als ein gewöhnlicher Blechhaufen...dieses Exemplar hat ein Eigenleben, und hat ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen...
Es gibt kein Stephen King Buch, das ich öfter gelesen habe als „Christine". Gleich nach dem ersten Lesen der ersten paar Sätze war ich hellauf begeistert von der Geschichte. Die Verwandlung, die Arnie durchmacht, ist von King wundervoll, spannend, nervenaufreibend und auch realistisch beschrieben. Man merkt mit jeder gelesenen Seite überdeutlich, wie Arnie Dennis -und auch dem Leser- entgleitet. Während dem Lesen keimt immer wieder das verzweifelte Verlangen auf, Arnie selbst wachzurütteln. Das hat King wirklich klasse hinbekommen. Dieses Buch greift so einige Themen auf: Freundschaft, Liebe, Abhängigkeit, aber vor allem geht es um Besessenheit. Von einer platten Story kann hier wirklich nicht die Rede sein (wie bei allen King Büchern). Stephen King hat die wunderbare Gabe, den Leser wirklich zum Fühlen zu bringen, und auch bei „Christine" ist ihm das wieder herrlich gelungen. Da wäre z.B. die wachsende Angst vor dem unheimlichen Auto (ich habe mich jedenfalls einige Zeit nachts nicht allein auf die Straße getraut), aber auch unendlich tiefe Trauer über den Verlust eines guten Freundes, denn es ist fast so, als würde man das alles selbst erleben.
Zu guter letzt möchte ich noch erwähnen, dass sich auch die Verfilmung von „Christine" sehen lassen kann. Zwar keine überragenden Tricks, aber dafür ein unglaublich hoher Gruselfaktor und super Schauspieler.
Wer die Werke von Horror-Meister Stephen King kennen lernen möchte, der kommt um „Christine" mit Sicherheit nicht herum, in meinen Augen einfach absoluter Kult und DER King Klassiker!! Dieses Buch wird man nicht so schnell vergessen...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Tod kommt auf vier Rädern, 13. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Christine: Roman (Taschenbuch)
Es ist eigentlich nicht immer der reine Horror oder das Fantastische, das mich so bei Stephen King-Romanen fasziniert. Der Kult-Autor mit dem Faible fürs Grauenvolle besitzt auch die Fähigkeit, die in die Buchhandlung eingebetteten Figuren sehr lebensecht zu umschreiben. Er schafft es fast immer, uns Leser tiefe Einblicke in die Seele der Hauptfiguren zu gewähren; uns an ihrem Gefühlsleben teilhaben zu lassen. Darin sehe ich oftmals die eigentliche Stärke seiner meisten Bücher. Wer seinen "Dunkler-Turm"-Zyklus gelesen hat, wird vielleicht verstehen, was ich damit meine.
Und nachdem ich schon einen Großteil seiner Werke gelesen habe, muss ich feststellen, dass sich besonders seine älteren Romane durch diese Stärke auszeichnen. Aus diesem Grund ist sein "Christine", das ich erst vor wenigen Tagen zuende gelesen habe, eines meiner liebsten SK-Bücher überhaupt.
Die Ereignisse werden aus der Sicht von Dennis Guilder nacherzählt bzw. niedergeschrieben, Arnies Cunninghams besten (und auch einzigen) Freund. Er berichtet, wie sein Freund seit Sandkastenzeiten der Anziehungskraft des titelgebenden Wagens, einem alten und verkommenden 58er Plymouth Fury, schon beim ersten Anblick erliegt. Dieses Ungetüm aus Chrom und Stahl scheint dabei einen sichtbar negativen Einfluß auf ihn zu haben, denn mit der Zeit verwandelt sich der sonst eher friedfertige Arnie in einen Menschen, den Dennis so gar nicht kennt: seine Wortwahl wird immer vulgärer, sein Verhalten rauer und rücksichtsloser und sein Auftreten bedrohlicher. Diese Veränderung wirkt sich nur auf den Haussegen innerhalb der Cunningham-Familie, sondern auch auf die sonst so unerschütterliche, enge Bindung zwischen den beiden jungen Männern aus, und als auch ein junges hübsches Mädchen mit ins Spiel kommt, geraten die geordneten Verhältnisse nach und nach aus den Fugen. Doch abgesehen von Arnie ist es auch "Christine" selbst, die auf Dennis ein furchteinflößenden Eindruck macht. Nicht nur deshalb, weil sie (!) eine unheilvolle Aura, sondern scheinbar auch ein mörderisches Eigenleben besitzt...
Der todbringende Oldtimer "Christine" und der Geist seines verstorbenen Vorbesitzers sind klassische Horrorelemente, die King in seinem Buch einsetzt. Doch aus meiner Sicht bilden sie nicht den einzigen Schwerpunkt. Menschliche Werte wie absolute Freundschaft, innige bzw. brüderliche Liebe und Treue, aber auch unvermeidliche Phasen wie der Verlust der jugendlichen Unschuld, Entfremdung (bedingt durch Besessenheit oder gar Sucht) oder Hass werden thematisiert, oftmals recht realitätsnah empfunden.
Der Leser bekommt die Verzweiflung, die Ohnmacht und die Angst, die Dennis Guilder während der Wiedergabe "seiner" Geschichte durchleidet, regelmäßig zu spüren, und gerade eben weil alles nicht von einer unabhängigen dritten Person, einem namenlosen Erzähler, vorgetragen wird, entsteht so was wie eine persönliche Bindung zu Dennis. Es ist eine tragische Geschichte, von der er erzählt, erfüllt von schönen Erinnerungen an die sorgenlose Zeit mit Arnie, von Gedanken ans (unvermeidliche) Erwachsenwerden, von Tod und Verlust.
Stephen Kings "Christine" ist wie erwartet spannend und sehr emotional geschrieben. In gewisser Weise kann man es sogar als eine Metapher für Drogensucht verstehen, denn genau wie in Arnies Fall das Auto, so ist es im wahren Leben die extreme Abhängigkeit von einer Sache oder irgendeines Gegenstandes, die auf das eigene Leben und das seiner liebsten Mitmenschen zwangsläufig einen bösen Schatten werfen kann.
Sehr zu empfehlen, denn das Buch hat selbst nach 27 Jahren noch nichts von seinem Reiz verloren und ist für King-Fans quasi Pflichtlektüre. ;)
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