John Banville war bis zum Oktober 2005 nur einem kleinen Publikum bekannt. Seine kunstvollen Romane auf einem atemberaubenden sprachlichen Niveau hatten die Massen bis dato eher nicht interessiert. Erst als er 2005 für seinen Roman "The Sea" den Booker-Prize erhielt, stürmte Banville in die Bestseller-Listen. In seinem unter dem Pseudonym Benjamin Black veröffentlichtem Roman "Christine Falls" begibt sich der irische Autor nun erstmals in die Niederungen der Belletristik. Das hätte er mal lieber nicht getan.
Der Krimi spielt im Dublin der fünfziger Jahre. Der Pathologe Quirke überrascht seinen Schwiegerbruder Malachy Griffin, einen angesehen Arzt, wie er die Akte der jungen Toten Christine Falls fälscht. Quirke forscht nach und stößt in ein Wespennest, in dessen Zentrum die katholische Organisation "Knights of St. Patrick" steht. Doch erst eine Reise nach Amerika enthüllt das Ausmaß von deren Machenschaften.
Hauptproblem des Krimis ist, dass er einfach nicht spannend ist. Bereits nach den ersten Kapiteln weiß der Leser, wo der Hase langläuft und wird bis zum Ende auch nicht weiter überrascht. Das verwundert nicht, da Banvilles Stärke schon immer in der Zeichnung seiner Charaktere lag, aus dessen Genauigkeit und Präzision sich die Spannung seiner Romane ergab. Dies ist auch der Grund, warum "Christine Falls" noch drei Sterne verdient. Quirke, der verwitwete Trinker, der die Gesellschaft von Toten den Lebenden vorzieht, fasziniert durchaus: "It sometimes seemed to him that he favoured dead bodies over living ones. Yet, he harboured a sort of admiration for cadavers, these wax-skinned, soft, suddenly ceased machines [...] He suspected, too, that he was becoming more and more like them. He would stare at his hands and they would seem to have the same texture as, inert, malleable, porous, as the corpses that he worked on, as if something of their substance were seeping into him by slow but steady degrees" (63f.). Die Szenen, in denen Quirkes Vergangenheit beleuchtet wird, gehören zu den wenigen Stärken des Romans.
Man merkt ganz deutlich, dass sich der Autor auf fremden Terrain bewegt. Banville versucht allein durch die Charaktere Spannung zu erzeugen. Dies gelingt ihm in seinen vorhergehenden Romanen vorzüglich. Doch bei einem Krimi ist das zu wenig. Wer lesen will, was Banville wirklich drauf hat, dem sei "The Sea" empfohlen.