Lutz E. von Padbergs umfassende Darstellung der Christianisierung Europas im Mittelalter, verfasst für ein breites Publikum, ist ein rundum gelungenes Werk. Es erfüllt die Standards historischen Arbeitens und bietet eine Fülle an Informationen. Der Erzählstil ist anschaulich und gut lesbar. Hervorzuheben sind auch die gut ausgewählten, exemplarischen Bilder aus der behandelten Zeit sowie die graphisch hervorgehobenen kurzen Lebensläufe wichtiger Personen.
Im Vorwort positioniert sich von Padberg als Autor und relativiert sein historisches Urteil als "sowohl von der Aussagebereitschaft seiner Zeugen als auch von seiner eigenen Eingebundenheit in die Geschichte geprägt". Das ist ehrlich und von modernen Geschichtsdarstellungen zu erwarten. Seine Grundposition fasst er so zusammen: "Wenn man also nach einer europäischen Identität fragt, welche die der Nationen übersteigt, muss man der historischen Wahrheit die Ehre geben und darf das christliche Fundament nicht aus dem Blick verlieren."
Dieses christliche Fundament entfaltet der Autor dann in acht Kapiteln, die sich in der Regel geographischen Räumen widmen (Irland, Angelsachsen, Frankenreich, Karolinger, Skandinavien, Südosteuropa, Nordosteuropa), und in einem anregendem Resümee "Das christliche Europa", in dem er seine Grundposition noch einmal differenziert entfaltet.
Wie für einen aktuellen Historiker zu erwarten, folgt er eng den Quellen, die er im Anhang ausführlich und genau darstellt, so dass das Geschriebene transparent und nachprüfbar wird.
Neben den Anmerkungen und dem präzisen Quellenverzeichnis ist im Anhang auch das Literaturverzeichnis (nach Kapiteln) zu loben, für diejenigen, die sich in ein Thema tiefer einarbeiten möchten. Und vor allem auch das Personenregister. Dieses ist für ein solches Buch nicht selbstverständlich und ermöglicht das konkrete Nachschlagen und das Querverfolgen einzelner Akteure.
Wer sich also grundlegend über diese für Europa so wichtige historische Epoche informieren möchte, findet mit von Padberg eine gute Einstiegslektüre.