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Christiane und Goethe. Eine Recherche
 
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Christiane und Goethe. Eine Recherche [Gebundene Ausgabe]

Sigrid Damm
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 21., unveränd. Aufl. (12. Februar 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458169121
  • ISBN-13: 978-3458169123
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 545.209 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist für den ehrwürdigen Dichterfürsten aus Weimar wenig schmeichelhaft, was die Autorin Sigrid Damm bei ihren Recherchen über seine Ehe mit Christiane Vulpius zu Tage gefördert hat. In der Literatur wurde Christiane häufig als seine Mätresse oder ein schönes Stück Fleisch beschrieben. "Gründlich ungebildet", sagte Thomas Mann über sie, für Schiller, der sie zeitlebens ignorierte, war sie "ein rundes Nichts".

Wer war diese Frau, die, bevor sie Goethe im Juli 1788 erstmals traf, mit ihrer Tätigkeit in einer Blumenwerkstatt ihre Familie versorgte, da der Vater arbeitslos war, die Stiefmutter sterbenskrank im Bett lag und der Bruder das Gymnasium besuchte?

Ganz sicher kein weltfremdes Dummchen, denn sie hat entgegen dem Hofklatsch in Weimar das Wagnis auf sich genommen, ihre große Liebe zu leben, Goethes Sohn August zunächst ohne die Sicherheit einer standesgemäßen Ehe zur Welt zu bringen und großzuziehen.

Christiane führt an der Seite Goethes kein intellektuelles, durchgeistigtes Leben -- es ist fraglich, ob sie je eine Zeile seiner Werke gelesen hat --, denn sie hat die Haushalte in Jena und Weimar zu versorgen, seine zahlreichen Gäste zu bewirten und ihm den Rücken für sein Schaffen freizuhalten.

Sehr schäbig wird Goethes Verhalten, als sie 1815 erkrankt. Für ihn ist jede Krankheit eine Arbeitsstörung, die sein ästhetisches Empfinden verletzt. Als sie stirbt, läßt er sie mit furchtbaren Krämpfen und Schmerzen allein. Eine wenig bekannte Seite des Verfassers der schönen Gedichtzeile "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut". --Manuela Haselberger

Der Spiegel

Hommage an das Leben

Das Buch war eine Blamage. Eine Blamage für all jene, die sich sicher waren, nun alles zu wissen über Johann Wolfgang von Goethe, den deutschen Dichterfürsten.

Als „Christiane und Goethe“ von Sigrid Damm kurz vor Goethes 250. Geburtstag im Jahr 1998 erstmalig erschien, hatten sich Heerscharen von Germanisten mit dem opulenten Schaffen Goethes – ihres Hauptarbeitgebers – befasst, hatten jede Silbe, jeden Reim, jeden Rhythmus analysiert, frühe Manuskripte mit späteren verglichen, und natürlich hatten sich die Forscher auch bemüht, den biografischen Hintergrund aller Goethe-Stücke, aller Romane und Gedichte zu ergründen. Es ist bekannt, in welches Bürgermädchen, welche Pfarrerstochter Goethe verliebt gewesen war, bevor er „Die Leiden des jungen Werthers“ schrieb oder den „Götz von Berlichingen“.

Und so ächzte bereits der Goethe-Biograf Herman Grimm im Jahr 1874: „Über Goethe scheint schon zu viel gesagt.“

Auch über Christiane Vulpius, die 28 Jahre lang Goethes Gefährtin gewesen war, schien schon zu Lebzeiten viel gesagt worden zu sein. Die Weimarer Zeitgenossen hatten sich ein Urteil über sie gebildet – ein Urteil, das dann zwei Jahrhunderte lang Bestand haben sollte: Sie sei nicht die richtige Wahl gewesen, so hieß es, zu dumm, zu sinnlich, zu gewöhnlich, um an die Seite eines Mannes zu passen, der als „Statthalter des poetischen Geistes auf Erden“ verehrt wurde.

Als sich dann im Jahr 1995 die Germanistin Sigrid Damm an den gerade freigegebenen Nachlass der Vulpius-Erben setzte und ein Buch über „Christiane und Goethe“ schreiben wollte, waren die Hoffnungen nicht groß, dass etwas Erhellendes dabei herauskommen könnte. Zwar galt Sigrid Damm schon damals als tapfere Rechercheurin und Spezialistin für das Umfeld Goethes. Sie hatte ein Buch über den unglücklichen Goethe-Bewunderer Jakob Michael Reinhold Lenz geschrieben und eines über Goethes Schwester Cornelia, aber bei diesen Projekten schienen die Quellen ergiebiger zu sein als bei Christiane Vulpius, über die vor allem Klatsch im Umlauf war.

Doch Sigrid Damm arbeitete auch diesmal gründlich, so gründlich wie noch kein Vulpius-Exeget vor ihr. Sie schnappte sich Kirchenbücher, Hofakten, Familienurkunden, Briefe, Wäschelisten, Preiszettel und Bedienstetenzeugnisse, sie fand sogar ein spätes Tagebuch von Christiane Vulpius, um das sich andere Forscher kaum je geschert hatten. Sie suchte und sichtete – und breitet in ihrem fertigen Buch das ganze Material aus, so genau, so detailwütig, dass sie mehr als 100 Seiten braucht, bis sie ihre beiden Protagonisten aufeinander treffen lässt. So viele Ahnen und Urahnen, so viele Vor-Bedingungen will sie erwähnen, um zu erklären, was die beiden Liebenden zueinander brachte. Und siehe da: Selbst die stolzesten Goethe-Kenner waren verblüfft über die Fülle der Neuigkeiten, die Damm zu Tage förderte – sie waren verblüfft und beschämt. Denn Damm deckt in „Christiane und Goethe“ etliche Fehler der Forschung auf, Schlampereien, Ungenauigkeiten. Nicht einmal der Name von Goethes Gefährtin, so stellt sie fest, war je richtig überliefert worden: Christiane hieß eigentlich Christiana.
Auch Sigrid Damm bleibt in ihrem Buch bei „Christiane“, folgt damit, so schreibt sie, der „Macht der Gewohnheit“. Sonst aber entwirft sie ein ganz eigenes Porträt der Goethe-Geliebten.

Für Damm ist Christiane Vulpius eine tüchtige, tatkräftige Frau, die dafür sorgte, dass Goethe, der in Weimar als Geheimer Rat allerlei Staatsgeschäfte zu führen hatte, überhaupt wieder zum Dichten kam. Und Damm sieht in ihr eine Dulderin, die hinnahm, dass ihre fünf Kinder unehelich geboren wurden und vier davon kurz nach der Geburt wieder starben, die auch hinnahm, dass Goethe in späteren Beziehungsjahren Abstand von ihr suchte, nach Karlsbad reiste oder in Jena arbeitete und immer öfter „Äugelchen“ auf andere Frauen warf, vor allem auf gebildete Lolitas aus der Oberschicht.

Sigrid Damm befreit Christiane vom Image des Dummchens, macht sie zur Sympathieträgerin, zur Identifikationsfigur für Leserinnen – und das erklärt wohl vor allem den Bestsellerruhm des Buches, das zwei Jahre lang nicht von der SPIEGEL-Hitliste wegzudenken war.

Denn so dokumentarisch und nüchtern Sigrid Damm ihr Thema angeht, so sehr sie sich dazu bekennt, mehr Fragen als Antworten zu haben, so sehr sie tastet und sucht, gestaltet sie doch ganz bewusst einen Stoff, der an klassischer Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt. Da gibt es Opfer und Täter, Liebe und Leid, Hass, Eifersucht, unverbrüchliche Treue – alles dabei.

Im Mittelpunkt steht Christiane Vulpius als verkannte Frau. Als Gegenspielerin setzt Damm Charlotte von Stein ein, Goethes vornehme Freundin, die Christiane weichen musste und daraufhin tödlich beleidigt war. Zwischen Christiane und Charlotte taumelt Goethe, den Sigrid Damm zwar in seiner Größe als Dichter bestehen lässt, den sie aber in all seinen Ambivalenzen als Mann, als Geliebten und Gefährten zeigt.

Als Goethes 250. Geburtstag 1999 vorbei war und „Christiane und Goethe“ als erfolgreichstes Produkt übrig blieb, hatten sich natürlich auch Kritiker gemeldet, die nicht einverstanden waren mit dem Buch, die generelle Bedenken gegen einen um sich greifenden „Biografismus“ äußerten und fragten, ob denn angesichts von Wäschelisten und Preiszetteln die Literatur, das Werk überhaupt noch zähle. Wer quäle sich noch mit der unendlich verschlüsselten Mythenwelt eines „Faust II“, wer stelle sich den existenziellen Verstrickungen der „Wahlverwandtschaften“, wenn stattdessen eine Sigrid Damm ihren Lesern einen so viel irdischeren und leicht konsumierbaren Goethe nahe bringe?

Doch diejenigen, die sich so äußerten, haben „Christiane und Goethe“ nicht genau gelesen. Immer wieder verweist Sigrid Damm auf Goethes Schaffensprozess in den Jahren mit Christiane, sie will verführen zur Lektüre. Vom „Werther“ bis zum „West-östlichen Divan“ – sie geht auf Einzelheiten der Werke ein, findet und formuliert Gründe, warum es sich lohnt, mal nachzulesen.

Und so liefert „Christiane und Goethe“, diese Hommage ans Leben, das beste Beispiel dafür, dass die alte Germanisten-Trennung zwischen der hohen Sphäre der Literatur und der banaleren des Alltags nicht zu halten ist.

Denn: Das Interesse an Literatur ist nichts anderes als das Interesse am Leben.

Nachwort von Susanne Beyer zu Christiane und Goethe. SPIEGEL-Edition Band 20 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Fakten - recherchiert mit Herz, Verstand und Detailtreue, 7. August 2007
Von 
Tanja Küsters "Literatin" (Leverkusen, NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben. Beim Lesen jeder Zeile spürt man das Herzblut dahinter, ihr Interesse und die Fähigkeit Fakten offenzulegen und doch dem Leser die Möglichkeit zu geben, es anders zu interpretieren, anderer Meinung zu sein. Der Titel könnte vermuten lassen, dass hier Goethes Bild durch und durch schlecht gemacht wird und endlich aufgeräumt wird mit dem Bild des Heimches, als welches Christiane hinlänglich bei der Leserschaft bekannt ist. Nein, die Autorin deckt auf und rückt gerade, gibt dem Leser Wissen mit auf dem Weg, welches zwar ein klares Bild Goethes und Christianes widerspiegelt und doch viel Raum für eigene Mutmaßungen und Gedanken lässt.

Historisch sehr informativ und ausführlich. Biografisch sehr wertvoll. Inhaltlich kompakt und ausführlich. Zu keiner Zeit langatmig oder ausschweifend. Die Recherche ist zielstrebig geschrieben. Was die Autorin nicht wusste, hat sie recherchiert. Wenn es sein musste auch mehrmals. Und wenn sie sich unsicher war, hat sie es gesagt. Kein falsches Zeugnis.

Auch wenn Goethe hier und da nicht "gut wegkam", so konnte ich mich sehr in ihn hineinversetzen. Ich mag ihn. Und Christiane kommt natürlich auch nicht zu kurz. Oft tut sie dem Leser leid, aber sie hat dieses Leben mit Goethe so gewählt und ihr eigenes Glück gefunden, bei dem heutzutage wohl viele Frauen ausgestiegen wären.

Sehr schön geschrieben und recherchiert!
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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hervorragend, 30. November 2004
Die Autorin räumt hier gründlich mit dem falschen Bild, was ich zumindest von dem Bett- und Küchenschatz Christiane bisher hatte, auf. Hier wird aus dem versteckten Blümchen eine sehr fleißige, kluge, mutige, beherzte und eigenständige Frau. Nebenher wird uns auch noch die ganze Weimarer Zeit nahegebracht. Diese Biographie ist so spannend und informativ geschrieben, daß ich das Buch in kürzester Zeit verschlungen habe. Mehr noch, auf Grund dieses Buches bin ich durch Weimar gelaufen und habe das Haus am Frauenplan, sowie das Gartenhaus besichtigt und das nicht zum ersten Mal; doch dieses Mal war alles ganz anders, denn Christiane ging mit mir.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lebendige Alltagsgeschichte des 18./19. Jahrhunderts, 27. Juni 2001
Von Ein Kunde
Es passiert nicht sehr oft, dass ein Buch mich so fesselt, dass ich es kaum aus der Hand legen mag und fast traurig bin, dass ich es zuende gelesen habe. Das legt an mehreren Faktoren: Es gelngt Sigrid Damm, trotz der Fülle von Zitaten, oft in einer uns nicht mehr leicht zugänglichen Sprache, die Alltagswelt zur Zeit Goethes in Weimar lebendig werden zu lassen. Umgekehrt sind es sicher diese vielen Dokumente im O-Ton, die die Anschaulichkeit bewirken. Damm geht chronologisch vor, trägt zusammen, was über das Leben der Christiane Vulpius in Erfahrung zu bringen ist, bevor sie Goethe trifft, wie es ihr in den ersten Jahren mit Goethe ergeht. Sie führt vor, welche Dimensionen diese Beziehung ohne Trauschein - für uns fast Normalität - im absolutistischen Weimar hat und lässt den Leser erahnen, unter welchem gesllschaftlichen Druck vor allem Christiane gestanden haben muss. Damm sucht nach Erkärungen, warum Goethe nach 17 Jahren, 1806, seine Beziehung zu seinem "Haus- und Bettschatz" Christiane durch die Heirat legalisiert. Hier und in vielen anderen Fällen räumt sie mit alten Legenden auf,z.B. Goethe habe sie geheiratet, weil sie ihm das Leben gerettet habe. Überhaupt kommt Goethe ziemlich schlecht weg, wir würden ihn heute sicher als "Macho" bezeichnen. So empfiehlt er Christiane, wenn sie schon lesen wolle, dann am besten das Kochbuch. Auch seine Vaterrolle wird kritisch beleuchtet: Er läßt seinem Sohn August kaum Freiraum, da er selbst glühender Napoleonanhänger ist, muss August in Heidelberg den Code Civil Napoleons studieren, darf August nicht als Freiwilliger gegen Napoleon kämpfen. Erst als Napoleons Untergang besiegelt ist, schenkt er seinem Sohn den von Napoleon erworbenen Orden, um sich selbst um einen Orden vom österreichischen Kaiser zu bemühen.Goethe als Opportunist. Wer sich für Alltagsgeschichte interessiert, zudem wissen will, welche Rolle vor allem Frauen gespielt haben, welche Ungerechtigkeiten vor allem die Ständegesllschft mit sich brachte, und wer sein Wissen über Goethe erweitern will, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
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