Zwei erfahrene Religionslehrer schreiben ein Buch über das Christentum. Noch eins? Ja, und das zu Recht: Christentum kompakt von Rüdiger Kaldewey und Franz W. Niehl ist etwas Besonderes, weil es für Menschen geschrieben ist, die sozusagen bei Null anfangen - für Menschen, die weder vom Christentum noch von Religion im Allgemeinen jemals etwas Fundiertes gehört haben.
Umfassend und systematisch führen die Autoren den Leser ins Thema ein: Sie erklären, was Religion ist, skizzieren Judentum und Islam, führen dann behutsam ins Christentum ein, erläutern seine historische Entwicklung und die heutige Realität mit vielen Denominationen und Facetten.
Sie erklären, wie die Bibel entstand und wie man sie lesen sollte, stellen Jesus Christus vor, seine Kirche(n), seine Botschaft und ihren Einfluss auf die Ethik, der für alle Menschen bedeutsam ist, auch wenn sie keine Christen sind.
Auf hohem Niveau entschärfen die Verfasser Konflikte wie den zwischen Naturwissenschaft und Religion: Sie weisen nach, dass die beiden Denksysteme nicht miteinander im Widerspruch stehen sondern verschiedene Realitäten beschreiben, die beide wahr sind - und deshalb sind die Erkenntnisse beider ethisch bedeutsam.
Die Autoren verstehen es, andere zu Wort kommen zu lassen: Die Auswahl theologischer und künstlerischer Aussagen zu Religion und Christentum reicht von Irenäus von Lyon bis zu Joseph Beuys mit seiner Kreuzigung und zu Gerhard Richter, dessen umstrittenes Fenster im Kölner Dom den Buchumschlag ziert.
Das Buch stellt sich auf dem Klappentext als Nachschlagewerk vor. Es ist aber überhaupt nicht trocken geschrieben und liest sich ebenso flüssig wie anregend. Tatsächlich ist es eine Einladung zur Diskussion - und eine Diskussion mit Rüdiger Kaldewey und Franz W. Niehl wird bestimmt nicht schnell langweilig.
Vielleicht ist das, neben ihrer persönlichen Glaubenssicherheit, der Grund dafür, dass die Autoren sich hier und da gar zu stark zurückhalten. Es entspricht offensichtlich dem Konzept des Buches, nicht Partei zu ergreifen: Auch ein Muslim, auch ein Atheist kann es bis zu Ende lesen, ohne sich gekränkt zu fühlen. Es ist deswegen sogar in Ordnung, auch für den katholischen Leser, wenn im Buch die Frage offen bleibt, ob Jesus Christus wirklich von den Toten auferstanden ist - wir können das ja wirklich nicht mit Sicherheit sagen. In den betreffenden Passagen (Seite 221 ff.) klingt es aber nicht nur so, als wäre die Auferstehung nicht wirklich geschehen, sondern auch so, als wäre das nicht wichtig. Es wäre definitiv angebracht gewesen zu erwähnen, dass der Apostel Paulus darüber völlig anders urteilt.