Eine Biographie über Christa Wolf ist zwangsläufig auch eine Darstellung der Geschichte der DDR, das sieht auch Magenau so und so erfährt der Leser viel über die Entwicklungen in der DDR von Anfang bis Ende aus der Sicht einer für den Sozialismus engagierten Schriftstellerin. Laut eigenen Angaben führte der Autor Gespräche mit Wolf in den Monaten Februar und Mai 2001. Hauptsächlich stützt er sich auf Unterlagen, die dann ausgewertet hat. Merkwürdig wenig erfährt man von der Person Wolf. Um eine Darstellung ihrer Person und ihrer Persönlichkeit macht er einen großen Bogen, er beschäftigt sich mehr mit der „offiziellen" Wolf, der Vertreterin der DDR. Das dürfte wohl auch Frau Wolf recht gewesen sein, da sie ihr Privates für sich behalten will. Die besten Einsichten über ihre Person tauchen in den Zitaten von Wolf Biermann auf, der ihrem Wesen vielleicht am nächsten zu kommen scheint. Er beschriebt sie als vielleicht eher ängstlichen Menschen, der sich zu großer Tapferkeit zwingt und seinen Preis dafür zahlt. Diese Einblicke in ihre Seele will Frau Wolf allerdings wohl auch ihrem Biographen nicht gestatten. In den Gesprächen zwischen den beiden hat sich wohl auch keine besondere Nähe ergeben, auf jeden Fall bleibt Magenau sehr distanziert, was für einen Biographen ja ein Vorteil ist. Sein abschließendes Urteil ist sehr nüchtern und wohl nur die Zeit kann erweisen, ob er da nicht etwas zu tief gestapelt hat. „.. sie hat leise gesungen, um niemanden zu erschrecken. Und manchmal hat sie auch nur gepfiffen wie ein ängstliches Kind im Wald. Ein paar sehr schöne Werke sind so entstanden. Das bleibt." Diese Biographie eine gute Zusammenfassung über Frau Wolfs Rolle in der DDR und in den Jahren nach der Wende. Man erfährt allerdings nichts wesentlich Neues über die Schriftstellerin, was nicht bereits woanders nachzulesen ist. Es ist eine gut lesbare Zusammenfassung. Magenau kann die ganzen Konflikte in Wolfs bewegtem Leben gut beschreiben - Biermanns Ausweisung usw. - aber letzten Endes auch nicht viel Neues beitragen, nicht zu ihr als Schriftstellering und schon gar nicht zu Wolfs Person. Aber wer noch mal sein Gedächtnis zu Wolfs Leben und Werk in der DDR auffrischen will, ist mit diesem Buch gut beraten.