Der 6.6.2006 war ein symbolträchtiges Datum. Dem wird der Großteil der Leserschaft zustimmen, trotz der Diskussionen darüber, ob denn nun 666 oder 616 die wahre Number Of The Beast sei.
Viel wichtiger ist, dass Slayer mit ihrem zehnten Album, "Christ Illusion", an ihr stilprägendes Meisterwerk "Reign In Blood" (1986) anknüpfen und diverse schwache Veröffentlichungen vergessen machen können.Obwohl einige Songs von "Christ Illusion" schon zwei bis fünf Jahre alt sind ("Catalyst" war eigentlich für den Vorgänger gedacht), klingt die Band frischer denn je. Inhaltlich wie immer kein Blatt vor den Mund nehmend (in "Jihad" geht es natürlich um die Anschläge des 11. September 2001), liefern Slayer ein gutes Album ab, das sich auf die üblichen Trademarks stützt und deshalb die Erwartungen der Fans erfüllen sollte. Mit abwechslungsreichem Riffing, beeindruckender Härte und der gewohnt bösen Erscheinung ist es genau der richtige Appetitmacher für die bevorstehende Tour.
Und Wenn man die neue Slayer-CD in den Händen hält, beschleicht einen das Gefühl einer gewissen Vertrautheit. Dies ist das erste Album von Slayer in der Originalbesetzung seit "Seasons In The Abyss" - und genau das möchten Slayer mit ihrem Coverartwork gleich beim ersten Hinsehen auch vermitteln. Das typische, gezeichnete Artwork von "Christ Illusion", das aussieht, als wäre es den Zeichenkünsten eines Kindes zu verdanken, zieht einen Schlußstrich unter die etwas designteren Artworks der letzten Slayer-Alben. Viel Freunde werden sich Slayer damit wohl nicht machen - das wollen sie aber auch gar nicht.
Und Warum Tom Arayas Stimme erträglich ist, weiß wohl niemand so genau, und die etwas anspruchsvolleren Musikfreunde, die auch Slayer schätzen, rätseln seit über 20 Jahren daran herum, wieso man trotz dieser unerträglich schlechten, atonalen und antimelodiösen Stimme immer wieder zu Slayer-CD's greift. Dieses Rätsel wird nicht lösbar sein, auch "Christ Illusion" gibt keine Antwort. Nur gut, daß klar ist, warum Dave Lombardo immer noch der beste Metaldrummer ist, und warum Kerry King eine Gitarre bedienen kann. Damit sind dreiviertel des Rätsels von Slayer gelöst!Schnelligkeit und Härte sind, wie versprochen, die richtigen Schlagworte für die neue Scheibe der Thrash Metallaner. Aber Was soll ich groß erzählen über die beinharten Riffs des Duos King/Hanneman oder über die kompromisslose Schnelligkeit, mit denen Slayer ans Werk gehen? Wer kennt nicht die typischen Gitarrensoli Hannemans oder die schonungslose Drumarbeit Lombardo´s?Müßig zu erwähnen, dass Slayer ihre technische Versiertheit auf den Punkt bringen - ohne, dass die Songs an spielerischen Raffinessen überladen wirken.Erwähnenswert ist jedoch, dass zwischen druckwellenartiger Härte und schonungsloser Schnelligkeit auch "langsamere",(also langsame Tracks für die Band an sich,denn ein langsames Lied von Slayer hätt´ich gerne mal gehört) Tracks den Weg auf die Platte fanden. Nummern wie "Black Serenade" oder "Eyes Of The Insane" hauen ordentlich rein und setzen sich im Gehörgang fest. Für die Produktion des neuen Albums war Josh Abraham zuständig, unter Begleitung von Rick Rubin. Und Weil aller guten Dinge drei sind, setzte man neben Lombardo und Rubin auch mit Larry Carroll auf alte Bekannte. Dieser gestaltete auch schon die Cover von "Reign In Blood", "South Of Heaven" und "Seasons In The Abyss". Heute ist er für das visuelle Blutbad auf "Christ Illusion" verantwortlich,(das hinter dem hier sichtbaren Cover ist,dies ist nur ein Bild was darüber gemacht ist,kann man aber nach Kauf der CD abnehmen und sich dann angucken),das in Kalifornien schon für Proteste aus konservativen Kreisen sorgte. Das Motiv selbst bezieht sich auf eine Textzeile in "Cult" ("Jesus is a bloodbath.").Womit wir bei den Lyrics ankommen, die wie gewohnt die Themen Krieg, Hass und Religion abdecken - mit aktuellem Bezug. "Religion is Hate, Religion is
Fear, Religion is a war..." brüllsingt Tom Araya in dem Song "Cult" .Der Vorgänger "God Hates Us All" erschien ironischerweise am 11. September 2001, mit "Jihad" beschreiben Slayer wiederum dieses Ereignis aus Sicht eines Selbstmordattentäters. Dass sie sich damit auf dünnes Eis begeben, wissen sie laut eigener Aussage!!!Allzu viel Kritik dürfte Slayer in musikalischer Hinsicht erspart bleiben,auch wenn dieses Album für Leute ab 30 wohl überhaupt nichts mehr ist,ich selber war auch sehr überrascht,über diese brutale Härte,die trotzdem noch eine Melodie besitzt,und mir gefällt´s einfach.Und nachdem mir MetallicA dann doch nach einiger Zeit ein bischen "zu langsam" geworden waren,war dies genau das richtige,um mal wieder richtig zu bangen!!!Und Durch das Ineinandergreifen der von Härte und Schnelligkeit strotzenden Nummern und mit einigen langsameren Stücken schaffen sie ein intensives Album, das einfach nicht langweilig wird. Wer sich also wieder mal genüsslich die Hirnwindungen weich klopfen lassen möchte, um danach ahnungslos, aber glücklich, aus der Wäsche zu schauen, ist hier absolut richtig.
Anspieltipps:
1.Flesh Storm
2.Cult
3.Catalyst