Jean-Claude Izzo begann spät Kriminalromane zu schreiben und ist leider kürzlich schon verstorben, sodass von ihm lediglich eine Trilogie vorliegt, die um Fabio Montale als Hauptperson kreist. Die drei Bücher heißen „Total Cheops", „Chourmo" und „Solea" - alles sehr ungewöhnliche und erklärungsbedürftige Titel.
Der zweite Band der Trilogie, „Chourmo", soll hier vorgestellt werden.
Alle drei Bücher haben als Handlungsort Marseille - wobei Izzo seine Aufmerksamkeit vor allem auch den Vorstädten Marseilles mit ihrem sozialen Elend und ihrer Kriminalität zuwendet. Diese Beschäftigung mit den Vorstadtvierteln, die in Marseille häufig durch Nordafrikaner geprägt werden, erklärt den Titel: „Chourmo" bedeutet, dass man zu einem bestimmten Viertel gehört, im positiven und negativen Sinne stigmatisiert ist.
Fabio Montale, die Hauptperson bzw. der Ich-Erzähler, ist jemand, der in diesen Vierteln zu Hause ist, der sich den gesellschaftlichen Randgruppen der verpönten Einwanderer aus Afrika oder anderen Ländern und ihren Problemen nahe fühlt. Im ersten Band der Trilogie war er noch Polizist, im zweiten Band hat er den Polizeidienst verlassen, lebt sein mediterranes Leben mit Freunden und Nachbarn, mit gutem Essen und viel Alkohol, und es wird nie ganz klar, womit er eigentlich seinen Lebensunterhalt verdient, wobei das Izzo - glaube ich - nicht so wichtig erscheint.
Die eigentliche Krimihandlung setzt mit der Bitte seiner Cousine Gelou ein, ihren verschwundenen Sohn Guitou zu finden und zurückzubringen, wobei der Leser bereits zu Anfang erfährt, dass Guitou umgebracht wurde.
Montale begibt sich zunächst unwillig und zögerlich in die Suche nach Gelou. Die Handlung, die Izzo nun entfaltet, ist sehr spannend - deswegen sei zum Fortgang der Handlung hier nichts weiter verraten. Wie es sich für einen sehr guten Krimi gehört, bekommt jedes Detail und jede Person zum Schluss des Romans ihre Bedeutung.
Von der Marseille-Trilogie Izzos ist „Chourmo" das mit Abstand beste Buch. So wünscht man sich abschließend nur eines: zusammen mit Fabio Montale in einem der Marseiller Szenekneipen 3 Pastis zu schlürfen und Jazzmusik zu hören.