Johannes Ockeghem (ca. 1410 - 1497): Motetten "Salve Regina" und "Alma Redemptoris Mater"; Messe "Mi-Mi"; Motetten von Jacob Obrecht (1457/8 - 1505), Antoine Busnois (gest. 1492) und Heinrich Isaac (ca. 1450 - ca. 1517). Ausführende: The Clerks' Group, Ltg. Edward Wickham. Aufgenommen (Datum nicht angegeben) in der Andreaskirche im englischen West Wratting. Produzent: Paul Proudman, Proudsound. Erstveröffentlichung 1994 als ASV Gaudeamus CD GAU 139. Gesamtspielzeit 63'26".
Im aufschlussreichen Beihefttext wird darauf hingewiesen, dass Ockeghems Musik sich gängigen Kategorisationsversuchen entzieht. Sie ist nicht von Einheit, sondern von Vielfalt geprägt, was im mittelalterlichen Weltbild nur als Spiegelbild der Vielfalt Gottes in der Schöpfung gelten konnte. Edward Wickham führt die Messe Mi-Mi und die Motette Salve Regina mit nur männlichen Stimmen auf (sagt mir mein Gehör - das Beiheft macht leider keinerlei Angaben zu den Sängern). Der klein besetzte Chor bleibt stets durchhörbar, die Aussprache der einzelnen Sänger ist stets sehr klar und deutlich, und die Stimmen harmonisieren miteinander aufs Schönste. Klingt Ockeghem beim Hilliard-Ensemble manchmal etwas herb, so erklingt seine Musik hier als Ausdruck himmlischen Friedens, himmlischer Harmonie. Außerirdisch schön! - Bei den auf die Messe folgenden Motetten von Obrecht, Busnois, Isaac and wieder Ockeghem (Alma Redemptoris Mater) setzt Wickham Frauenstimmen ein, was zwar dem Gesamtklang eine ganz andere Farbe verleiht, der Gesamtwirkung jedoch keinen Abbruch tut. Persönlich mochte ich Isaacs "Angeli, Archangeli" besonders gern - es handelt sich um reine Anbetung, ohne die damals üblichen Lobsprüche für Maria. Geistliche Musik, wie sie in dieser Epoche nicht besser wird!
Klanglich wie fertigungstechnisch ist die CD eine Wucht. Einziger Wermutstropfen: Das Beiheft lässt nicht nur Angaben zur Besetzung vermissen, sondern enthält einen Kyrie-Text, der so nicht gesungen wird, und eine deutsche Übersetzung, die leider die ASV-Tradition holpriger, teils blamabler, weil allzu wörtlich genommener Übertragungen aus dem Englischen fortführt. Die gesungenen Texte werden auf latein und englisch abgedruckt, wobei die englischen Übersetzungen stellenweise recht prosaisch wirken.