...und warum auch nicht? Wer von Jean Christoph Granges -Imperium der Wölfe- noch immer begeistert ist und auch -Die purpurnen Flüsse und Den Flug der Störche- für gute Thriller hält, der darf sich auf den -Choral des Todes- wieder freuen. Ich stimme einigen meiner Vorrezensenten zu: Mit dem -Herz der Hölle- wurden Granges Romane verquer und mystisch unklar. Freunde eines gut konstruierten, logischen Thrillerstoffs konnten sich da nicht wieder finden. -Der Steinerne Kreis- schlug in eben diese Kerbe. Lediglich Joachim Kerzel, als Vorleser, bewies bei den Hörbuchprodkuktionen echte Klasse.
Mit -Choral des Todes- geht Grange zu seinen Anfängen zurück. Okay, der Stoff erreicht nicht die Brillanz der purpurnen Flüsse, dazu sind zu viele Logikfehler und schwer nachvollziehbare Folgehandlungen der Protagonisten vorhanden. Aber Grange setzt wieder auf den Ermittler, der einer Spur unnachgiebig nachgeht. Dabei lässt Grange seine "Helden" gegen Bösewichter aus Fleisch und Blut antreten und erfindet keine mysteriösen Halbweltwesen. Das tut dem Roman gut und der Hörer darf sich freuen.
Der ehemalige Dirigent und Chorleiter Götz wird tot an der Orgel aufgefunden. Die Todesursache ist völlig unklar. Der Vorfall spielt sich in einer armenischen Kirchengemeinde in Frankreich ab. Lionel Kasdan, Mordermittler im Ruhestand, und Exil-Armenier, findet die Leiche. Obwohl die Polizei den Fall übernimmt, ermittelt Kasdan auf eigene Faust. Sehr schnell erfährt er, dass Götz ein Exil-Chilene war. Er hatte Kontakte zu Knabenchören, die in Chile im Zentrum Asuncion lebten. Dabei handelt es sich um einen Zufluchtsort ehemaliger NS-Ärzte und Wissenschaftler. Kasdan bekommt auch mit, dass sich der Polizist Wolokin für den Fall interessiert. Wolokin ist bei der Abteilung für Jugendkriminalität ein absoluter Star. Zur Zeit liegt er jedoch auf Eis, denn: Wolokin ist heroinabhängig. Es kommt zu weiteren Morden und die beiden ungleichen Cops raufen sich zusammen, denn eines verbindet sie: Einer von beiden will sich an seine Vergangenheit nicht erinnern, der andere kann es nicht. Zusammen begeben sie sich auf die Spur der Chöre und kommen dem Mörder immer näher. Doch kurz bevor sie den Fall lösen, hängt ihr eigenes Leben am seidenen Faden...
Wer Arnaldur Indridasons Roman -Engelsstimme- kennt, der ahnt, wo Grange sich für -Choral des Todes-, bezüglich des Mysteriums von Knabenstimmen, hat inspirieren lassen. Grange treibt die Story zielgerecht voran, hat mit Kasdan und Wolokin zwei kantige Charaktere geschaffen, mit denen man fiebern kann. Wie gesagt, hier und da hakt die Logik, ansonsten ist -Choral des Todes- ein wirklich ordentlicher Thrillerstoff.
Zum Schluss: Geht Grange ohne Kerzel? Als echter Kerzel-Fan muss ich feststellen: Ja, es geht! Und zwar hervorragend. Wolfgang Pampel, die deutsche Synchronstimme für Harrison Ford und "J.R." Larry Hagmann, ist ein Vorleser vom Allerfeinsten. Grange ist mit diesem Roman und Pampels Stimme, jedenfalls was meine Person angeht, wieder ein "hörenswerter" Autor geworden.