Nur 'Schön' ...? Ich gehe da etwas weiter: Alice Sara Ott ist 'angekommen'. Sie spielt Chopin nicht nur einfach 'schön' (wie bereits rezensiert), sondern durchaus auch mit sehr eigenen Empfindungen, die sich dem Zuhörer dann erschließen, wenn er sich vertieft, die Aufnahmen komplett (mehrmals) hört und ihr Spiel verinnerlicht; mal eben nur 'reinhören' und 'nett' finden, wäre hier eindeutig zu wenig.
Alice Sara Ott habe ich in etlichen Konzerten sehr unmittelbar, mit einem schon beachtlichem Repertoire und auf bereits sehr hohem Niveau gehört. Diese Chopin-Einspielung ist für mich ein Dokument ihrer jetzigen Piano-Kultur auf einem sehr hohem Niveau. Man darf gespannt (und optimistisch) sein, auf das was noch kommt. Vergleiche mit den ganz großen Namen dieses Genres sind m.E. müßig, denn hier geht es ja sicher nicht darum, irgendwem etwas 'nachzuspielen'. Ich denke, sie hat ihre ganz eigene Sicht, Chopin in sowohl frischer, leichter, entspannender aber auch melancholischer Weise zu verlebendigen. Und sie wird vermutlich einen guten Beitrag leisten, diese Musik auch jüngeren Zielgruppen zu erschließen, mit ihrer Persönlichkeit und ihrer eigenen, feinen Piano-Kultur.
Zudem empfinde ich großen Respekt, dass Alice Sara Ott gerade jetzt diese Stücke heraus gebracht hat, im Chopin-Jahr. Das beweist für mich (mindestens) zweierlei: 1. Sie ist technisch wie interpretatorisch 'angekommen'; 2. hat sie bei allem Respekt vor Chopin auch genügend Selbstbewusstsein, ihn mit einer ganz gefühlvollen, hingebungsvollen Spielweise zu präsentieren, dank ihrer technischen Sicherheit und persönlichen Ausstrahlung.
Auch bei ihrem Auftritt gestern Abend bei '3 nach 9' in Bremen war viel davon zu spüren. Fazit: Angekommen! Und auf einem sehr guten Weg.