Spricht man von Nocturnes, denkt man automatisch an Chopin: den Meister.
Allerdings gilt als "Erfinder" dieser Form der Ire John Field, der zu seiner Zeit großen Einfluss auf die Musikwelt hatte und auch Chopin so stark beeindruckte, dass er 21 Nocturnes komponierte: gefühlvolle Charakterstücke für Klavier.
Dem Label Brillant Classics ist es zu danken, dass man 15 der 18 von Field komponierten Nocturnes hören und mit denen Chopins vergleichen kann.
Die Kompositionen Fields bestehen aus liedhaften, ruhigen Melodien, die durch aufgelöste Akkorde in der linken Hand begleitet werden.
Chopin dagegen entfaltet sehr unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten und einen größeren harmonischen Gehalt. Der Gefühlsausdruck ist vor allem wesentlich, wie nicht anders bei Chopin zu erwarten.
Im Vergleich weiß man, warum Field doch eher nur Experten bekannt ist.
Auf der vierten CD sind dann Nocturnes von Zeitgenossen versammelt, von denen mir dem Namen nach nur Clara Schumann und Michael Glinka bekannt sind. Diese CD ist sicher vor allem auch im Kontext mit den Kompositionen Chopins interessant, hat mich aber in ihrer Qualität sehr überrascht. Lohnt sich zu hören!
Der holländische Pianist Bart van Oort spielt die Stücke auf Hammerklavieren der Firmen Pleyel (1842) und Erard (1837), die Chopin selbst sehr schätzte und auch besaß.
Die Nocturnes von Field spielt er dagegen auf einem Klavier von Broadwood (1823), auf dem der sicher auch gespielt haben wird.
Durch Verwendung der antiken Instrumente wird ein authentisches Klangerlebnis möglich, was jedoch für Ohren, die die modernen Klaviere gewöhnt sind, erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, schien mir doch manches ein wenig blass oder verschwommen.
Insgesamt bin ich jedoch von der Sammlung sehr angetan, obwohl ich meine, dass nicht die beste Einspielung der Nocturnes Chopins vorgelegt wurde. Die Zusammenstellung jedoch, die es sonst wohl nicht noch einmal gibt, und natürlich der unschlagbare Preis bringen mich dazu, 5 Sterne zu vergeben.