Was mich an Anderszewskis Chopin besonders beeindruckt, ist vor allem sein gesanglicher Ton, eine Tugend, die heute völlig aus der Mode gekommen ist, da die übermächtigen Wettbewerbsgewinner heute hauptsächlich viele richtige und laute, oft gedroschen perkussive Töne spielen. Das cantabile-Spiel eines Ignaz Friedman oder Moritz Rosenthal, die Noblesse von Arthur Rubinstein, auch der wunderbare Chopin des jungen Backhaus scheinen in Vergessenheit geraten zu sein, auch Chopins Verdikt, dass, wer nicht legato spielen könne, im Grunde überhaupt nicht Klavier spielen könne.
Nun, dies alles kann Anderszewski, und seine Poesie und sein wunderbarer Umgang mit tänzerischen Rhythmen etwa der Mazurken sind, finde ich, ein gutes Zeichen - vielleicht wendet sich das Blatt ja wieder - schön dass es auch Pianisten gibt, bei denen Chopin nicht wie Prokoffiew klingt. Tempo und rubati sind natürlich immer Geschmackssache, ich finde, seine Eigenwilligkeiten zeugen von Persönlichkeit und Selbstbewusstsein - wollen wir denn diese Werke immer gleich hören ? Dass Polen ein besonderes Gespür für Chopins Sentiment und Melancholie haben, mag ein Klischee sein, hier trifft es zu. Die Aufnahmetechnik ist bestechend natürlich, weder zu trocken noch überhallig -perfekt !