Der Film "Choose" war Teil meiner Ausbeute, als ich in London den DVD-Store heimgesucht habe. Doch auch in Deutschland erscheint der Streifen demnächst auf DVD, nämlich am 27. September 2011. To choose or not to choose, that's the question, und die Antwort hat wer? Die Vega natürlich.
Logischerweise beziehe ich mich auf die Original-DVD, die erschreckenderweise über keinerlei Extras verfügt, noch nicht mal englische Untertitel. Sprache ergo nur in englisch und sonst gibt's nix.
Es geht mal wieder ein übler Killer um, dessen Masche es ist, seine auserwählten Opfer zwischen zwei Möglichkeiten wählen zu lassen. Leider haben sie nur die Wahl zwischen Not oder Elend, denn keine der Optionen, die der Killer ihnen anbietet, ist auch nur im Ansatz verlockend. So soll z. B. ein Mädchen entscheiden, wer in genau 60 Sekunden getötet wird, ihr Vater oder ihre Mutter samt Bruder und dem Mädchen selbst. Ein Pianist darf zwischen dem Verlust seines Gehörs oder seiner Finger wählen und einem Model wird entweder das Gesicht entstellt oder sie verliert ihr Augenlicht. So weit, so böse. Aber irgendwie scheint es der Killer auch auf Studentin Fiona (Katheryn Winnick, "Amusement") abgesehen zu haben, deren Vater, Sheriff Tom Wagner (Kevin Pollak, "Die üblichen Verdächtigen") die Ermittlungen in den grausigen Mordfällen bzw. -versuchen leitet. Töten will der Killer sie jedoch offenbar nicht, aber was will er dann? Und was hat der Selbstmord von Fionas Mutter mit der ganzen Sache zu tun? Fiona beginnt, sehr zum Unwillen ihres Vaters, zu recherchieren, und stößt dabei auf psychiatrische Studien, die sich mit der "Choose-Theorie" auseinandersetzen. Je näher sie dem Täter kommt, umso gefährlicher wird es für sie...
Und schon wieder ein Erstlingswerk, guck an. Regisseur Marcus Graves hat hier in nur 83 Minuten einen ganz passablen Slasher abgedreht, dem allerdings mit zunehmender Laufzeit die (logische) Luft ausgeht. Die Grundidee ist hübsch perfide, vor allem, weil man sich als Zuschauer unumgänglich die Frage stellt, wie man selbst sich entscheiden würde, wenn man nur die Wahl zwischen zwei gleichwertig grausamen Möglichkeiten hat. Graves fackelt auch nicht lange und lässt seine erste psychische Folterfalle schon in den ersten fünf Minuten zuschnappen. Danach verlangsamt er das Tempo etwas und führt Vater und Tochter in die Story ein. Dann geht es stereotyp aber spannend weiter, Fiona forscht, Killer killt, Sheriff sucht den Täter. Irgendwann laufen alle Fäden zusammen und gipfeln in einem viel zu kurzen und dramaturgisch schwachen Showdown, in dem Graves viel Potenzial verschenkt. Da er sich hier eh schon sehr vieler Klischees bedient, hätte er ruhig aus dem Vollen schöpfen und ein etwas wendungsreicheres und wesentlich spannenderes Finale inszenieren können. Und der Schlussakkord geht dann gänzlich nach hinten los, weil er a) völlig unlogisch und b) so plump wie blödsinnig ist.
Somit fängt "Choose" wirklich ganz gut an, lässt dann aber doch merklich nach, wobei Motiv und Grundidee gar nicht mal schlecht sind. Leider verliert Graves sich in überstürzten Nachforschungen, die viel zu schnell zur Enttarnung des Täters führen und dem Film so die diabolische Finesse nehmen bzw. viel zu unrealistisch sind. An vielen Stellen wirkt "Choose" einfach plump und unausgegoren, nicht vernünftig zu Ende gedacht und recht willkürlich umgesetzt. Vielleicht liegt das daran, dass die beiden Drehbuchschreiber vorher Scripts wie das zu "Love Happens" mit Jennifer Aniston geschrieben haben und mit dem Genre nicht vertraut genug sind. Oder daran, dass es sich bei den Opfern durch die Bank weg um Fremde handelt, die schon sterben oder verletzt werden, kaum, dass sie die Szene betreten haben, so dass es einem leider völlig schnurz ist, wen es nun warum trifft. Bei der sonst in solchen Filmen üblichen Teenager-Dezimierung hat man vorher wenigstens die Chance, die Horde Hohlbratzen kennen- und hassen zu lernen.
Was den Gore angeht, so wird dem Zuschauer nicht allzu viel geboten. Ein paar abgeschnittene Finger, ein paar Brandwunden, das Opfer einer Messerattacke, allzu blutig wird es nicht, der Regisseur wollte seinen Fokus eindeutig auf die kranke Psyche des Killers legen, kratzt aber bedauerlicherweise nur an dessen Oberfläche. Langeweile kommt in den 83 Minuten glücklicherweise kaum auf, was unter anderem auch am routiniert aufspielenden Cast liegt. Kevin Pollak spielt so unauffällig gut wie immer, Katheryn Winnick ist eins von tausend blonden Babes in diesem Genre, das halbwegs passabel gegen sein Horrorchick-Image anzuspielen versucht und der Killer ist wie üblich im Kindesalter traumatisiert und nun völlig neben der Kappe, was Nicholas Tucci recht glaubhaft vermitteln kann.
Schade, dass "Choose" so schnell so vorhersehbar wird und viel von seinem definitiv vorhandenen Potenzial verschenkt. Mit etwas mehr Routine und vor allem mehr Sorgfalt und besser ausgearbeiteten Charakteren hätte aus "Choose" ein richtig guter Schocker werden können. So ist es leider nicht mehr als eine recht coole Idee, die teilweise zu laienhaft und ungelenk umgesetzt wurde. Einen Blick wert könnte es dem versierten Vielgucker dennoch sein, denn gerade in diesem Genre gibt es weit schlechtere Filme. Und hier wird man zumindest nicht mit dilettantischen Mimen und billigen Kulissen abgespeist, sondern muss sich "lediglich" mit den Story-Untiefen arrangieren. Ergo knappe drei von fünf Auswahlmöglichkeiten, ob man sich "Choose" nun choost oder nicht...