Der indische Film "Chokher Bali" ist eine Literaturverfilmung und beruht auf den gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1902.
Kalkutta, Anfang des 20. Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die bereits nach einem Jahr Ehe kinderlos verwitwet ist. Sie sucht Schutz und Geborgenheit bei der wohlhabenden Familie ihrer besten Freundin. Die gebildete, junge Frau wird dort wohlwollend aufgenommen und eröffnet, durch ihre Ansichten und ihre freie Art, der abergläubischen, brahmanischen Familie neue Welten. Aber auch das Laster bahnt sich langsam seinen Weg, denn sie zieht das Interesse des Mannes ihrer besten Freundin auf sich...
Die Figuren aus "Chokher Bali" erinnern an eine griechische Tragödie. Da wären: die autoritäre Mutter, der verwöhnte und gelangweilte Sohn, der konkurrierende und fleißige Freund/Bruder, die naive Ehefrau und die schöne, vom Schicksal geforderte Geliebte. Letztere ist die bemerkenswerte Aishwarya Rai, in der Hauptrolle. Bemerkenswert für uns hier deshalb, weil wir von einer ehemaligen Schönheitskönigin so etwas nicht erwarten. In ihrem weißen Saree, das schon eher nach einem Gewand aussieht, könnte sie ebenso aus der Antike entsprungen sein. So anmutig ist ihr Spiel und so schön wird sie in Szene gesetzt. Sehr erwähnenswert auch Lily Chakravarty, die auf eine eindringliche Art und Weise die herrische, aber nicht herzlose, Mutter darstellt. Der Film lebt von seinen stilvoll inszenierten Bildern und der meisterhaft detaillierten Darstellung der wenigen Schauplätze.
"Chokher Bali" ist für all die geeignet, die sich vor anspruchsvollen, unkonventionellen Filmen nicht scheuen. Ich ziehe allerdings einen Punkt ab für die nicht so einfach zu verstehende Geschichte und für die etwas zu zahlreich geratenen Zwischenkommentare.