Der zweifelsohne sympathische Victor Mancini ist eine skurrile Figur: Er ist sexsüchtig und möchte am liebsten mit jeder Frau, die ihm nach seinem "Nacktscanner-Blick" attraktiv erscheint, in die Kiste steigen. Das Alter ist egal, Hauptsache ausreichend attraktiv und ein bequemes Bett ist auch nicht unbedingt nötig: Badewannen, Flugzeugtoiletten, Kirchen - rammeln lässt es sich schließlich überall. Nur mit der sich aufopferungsvoll um seine demente Mutter, großartig gespielt von Anjelica Huston, kümmernden Ärztin Paige Marshall klappt es nicht wirklich. Zeigt die Gruppentherapie etwa erste Wirkungen oder steckt da doch etwas anderes dahinter?
Die Verfilmung von Chuck Palahniuks Roman scheint den Bogen ein ums andere Mal zu überspannen: Sex in einer Kirche dürfte nicht jedermanns moralischer Vorstellung entsprechen und auch das dargestellte Frauenbild lässt sich aus einer feministischen Perspektive sicherlich kritisieren. Dennoch bietet 'Choke' einige Perlen des schlechten Geschmacks. Wenn Victor sich mit einer Dame nicht einigen kann, wie die von ihr gewünschte Vergewaltigung inszeniert werden soll, ist dies brüllend komisch. Sein onaniersüchtiger Kumpel Denny macht selbst vor einem Foto von Victors Mutter nicht halt und Anjelica Huston als durchgeknallte Drogen-Mutti ist schlicht grandios.
Durch eben diese Mutter völlig verzogen, eiert Victor durch ein Leben aus Sex, dummem Geschwätz mit seinem Kumpel, Besuchen bei seiner geistesabwesenden Mutter und seinem Job in einem nachgebauten Kolonialistendorf des 18. Jahrhunderts. Während sein Kumpel Denny den Absprung in ein normales Leben zu schaffen scheint, scheitert der von Sam Rockwell kongenial dargestellte Victor daran mit beeindruckender Konstanz. Obwohl dies alles sehr amüsant und originell klingt, bleibt dennoch unklar, was der Film unabhängig von der literarischen Vorlage eigentlich darstellen will. Ihm fehlt der rote Faden, die klare Struktur, die progressive Handlung und die üblen Scherze fangen im Verlauf der Handlung an, nur noch aneinandergereiht zu wirken, ohne dass die Charaktere kontinuierlich bis zum Ende der anderthalb Stunden weiter ausdifferenziert werden. Dies ist das große Manko dieses Films, der hervorragend beginnt, einige große Lacher provoziert, aber im Ganzen zu unentschlossen, ziellos und zu wenig kontrovers bleibt, um eine ausgewachsene Satire zu sein.