Aus der Amazon.de-Redaktion
Robert Nelson Jacobs hat Joanne Harris populären Roman für sein Drehbuch adaptiert, das von Lasse Hallström (Gottes Werk und Teufels Beitrag) liebevoll in Szene gesetzt wurde. Der Film behandelt vertrautes Terrain und bedient sich hinlänglich bekannter Metaphern, die selbst für ein Kind leicht zu verstehen sind, so dass es kaum überraschte, dass einige Kritiker ihn mit mordlustiger Inbrunst verrissen haben. Aber deren Einwände gingen am Kern der Sache vorbei. Vertrautheit und einfache Metaphern können sehr schön sein, wenn sie in einem Märchen präsentiert werden, dass so einladend warmherzig ist, wie dieses.
Vom Schicksal geführt, lässt sich Vianne (Binoche) mit ihrer Tochter Anouk (Victoire Thivisol) im Winter 1959 in einem ruhigen französischen Dorf nieder. Ihre neu eröffnete Chocolaterie wird schnell zur Attraktion, aber auch zur Quelle der Angst, denn Viannes außergewöhnliche Fähigkeiten, die Leidenschaften der Bewohner neu zu entfachen, drohen die repressiven dörflichen Traditionen zu unterwandern. Der frömmlerische Bürgermeister betrachtet Vianne daher als den Feind. Der Krieg, den er gegen sie führt, erreicht seinen Höhepunkt mit der Ankunft der "Flussratten", wie er die Zigeuner nennt, die von Roux (Depp) angeführt werden. Roux und Vianne fühlen sich direkt zueinander hingezogen.
Eingeflochten in die Geschichte sind ausgezeichnete Nebenhandlungen, in denen es um eine misshandelte Ehefrau (Lena Olin, Die neun Pforten), eine ältere Dorbewohnerin (Judi Dench, Shakespeare In Love) und deren entfremdete Tochter geht. Mögen auch Teile des Films etwas bedauerlich sein (ohne Molinas exzellente Performance, wäre der Bürgermeister zweifellos zur Karikatur verkommen), sind dessen Feinheiten oftmals herausragend. Chocolat erinnert den Zuschauer an die einfachen Freuden des Lebens und lädt ihn ein, diese zu genießen. --Jeff Shannon
Video Jakob Kurzinhalt
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: In großzügiger Ausstattung und mit besten technischen Werte glänzt diese EuroVideo-Disc. Lasse Hallströms Film verkauft dem Zuschauer in sehr stimmiger Optik die lyrische Geschichte um eine Chocolaterie-Betreiberin, die durch ihre sinnesfrohe Lebenshaltung selbsternannte Moralwächter auf den Plan ruft. Zuweilen ist der Film etwas zu süßlich, was man ihm bei seinem Titel aber kaum vorwerfen mag und driftet nur in seinen sanft tragischen Momenten ins Zartbittere. Ein glückliches Ensemble-Zusammenspiel und und eine detailversessene Regie ergeben außergewöhnliches und gefühlsbetontes Kino, das glaubwürdig bleibt.
Bild: Die numerischen Werte sprechen ja für sich. Das Bild bietet beste Realfilm-Qualität. Die Schärfe ist brillant und verliert selbst in Totalen einzelne Laubblätter nicht aus dem Fokus (01.31.48). Artefakte sind so gut wie gar nicht auszumachen und so werden alle groß- und kleinflächigen Bildveränderungen in Kinoqualität, also ruckel- und schärfeverlustfrei gemeistert (00.04.15, Flug um Kirchturm). Der Kontrast ist über jeden Zweifel erhaben und liefert im Zusammenspiel mit der Rauscharmut ein plastisches Bildvergnügen.
Ton: Leider liegt nur die deutsche Fassung in 5.1-Ton vor, so daß man in der englischen 2.0-DS-Version mit Einschnitten in den Bereich der räumlichen Tiefe zu rechnen hat. Die deutsche Tonspur zeigt weiträumige Ambienzarbeit (00.27.58, Kneipe) und leistet auch im Rahmen der feinsinnigen Hintergrunddetails Bestes. So ist etwa bei 00.30.40 ein sehr stimmungsvolles und unaufdringliches Taubengurren eingemischt. Die Musik von Rachel Portman wird transparent und in lebensechter Dynamik in den Klangraum gestellt und läßt alle orchestratorischen Feinheiten erkennen. Nur die Sprache steht gegenüber der Kulisse etwas zu sehr im Vordergrund. --movieman.de