Ich kann mich den bisher geäußerten Meinungen der Leser nicht anschließen, dass die Sprache holprig sei. Viele finden auch den französischen Film oft langatmig und langweilig. Und dieses Buch spielt nun einmal in Frankreich.
Ich bin sonst kein Fan von ausschweifenden Naturbeschreibungen. Hier jedoch haben sie einen - meiner Meinung nach - unübersehbaren Zweck: auf die Spießbürgerlichkeit und völlige Überholtheit im Denken der Leute in dem kleinen Dorf hinzuweisen, die noch glauben, was man ihnen von der Kanzel herunterpredigt. Der Text ist voller Anspielungen darauf, wie sehr sich alles in Richtung Himmel neigt. All die kleinen Andeutungen von Heuchelei und Ignoranz haben mich sehr amüsiert.
Was dieses Buch für mich lesenswert macht, obwohl ich den Film schon kannte, ist die Geschichte von Vianne. Je weiter man liest, desto deutlicher wird, dass diese Frau, die ihren Kunden nur Gutes bringt und so stark wirkt, selbst einige Ängste mit sich herumträgt. Ihre Psyche wird massiv von ihrer Vergangenheit bedroht.
Wenn man sich also einmal von dem Film abwendet, der ja doch um einiges anders ist als das Buch, wird man auch das Ende nicht in Frage stellen. Jede Abweichung davon wäre vom Handlungsstrang her völlig unlogisch gewesen.