"In terram salicam mulieres ne succedant".
(Folgenschwere Regelung der Lex salica)
Chlodwig I. (um 465 - 27.11.511) gelang es, alle anderen fränkischen Teilkönigreiche sowie weitere germanische Stämme und gallorömische Gebiete gewaltsam zu unterwerfen. Er wird daher als Begründer des Frankenreichs angesehen, das bei seinem Tode Territorien des heutigen Frankreichs, der Benelux-Staaten und Deutschlands umfasste. Vor allem seine Entscheidung, zum römischen Katholizismus - statt wie die anderen Germanen zum Arianismus - überzutreten, sollte zur wichtigsten Voraussetzung für die enge Bindung von Kirche und Staat werden, durch die die Geschichte Europas bis in die Gegenwart hinein bestimmt wurde. Das von Clovis, wie er von den Franzosen genannt wird, gegründete fränkische Großreich entwickelte sich schließlich zur dominierenden Großmacht im damaligen Europa, was rund 300 Jahre später Chlodwigs Nachfolger Karl dem Großen die Erneuerung des weströmischen Kaisertums ermöglichen sollte. In seinen vielfältigen Nachwirkungen ist das Frankenreich sowohl der Vorläufer Frankreichs als auch Deutschlands. Seine Teilung im Jahre 843 durch den Vertrag von Verdun wird als Beginn der beiden Nationen angesehen....
Prof. Dr. Matthias Becher lässt als ausgewiesener Experte für das Frühmittelalter bereits im Untertitel seines Buches "Chlodwig I." erkennen, dass er sich bei seiner Forschungsarbeit nicht alleine auf die Person dieses salfränkischen Königs beschränkt. "Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der Antiken Welt" bedeutet, zunächst einen Rückblick auf die "Germania" des römischen Senator und Historikers Publius Cornelius Tacitus (um 55 - 120) auf die Vorläufer der Franken zu werfen.
Der Einleitung, in der sich der Autor unter anderem mit Grundsätzlichem zur Kritik am "Decem libri historiarum" des Gregor von Tours und den beiden anderen, im frühen 7. Jahrhundert verfassten Quellen "Fredegarchronik" und dem "Liber Historiae Francorum" befasst, folgen dann drei Kapitel in deren Mittelpunkt die Zeit vor Chlodwig steht. Dem bereits genannten Tacitus war ein Volk der Franken (die Kühnen oder die Freien) nicht bekannt, denn dieses sollte sich erst im 3 nachchristlichen Jahrhundert aus den Usipetern, Tenkterern, Sugambrern, Brukterern und anderen Stämmen zusammenschließen. Die Franken und das römische Reich sind Gegenstand des ersten Kapitels. Hierin wird ihr Verhältnis zu Rom zwischen der Zeit der Tetrarchie bis zur valentinianischen Dynastie geschildert. Ein wichtiges Ereignis markiert die Entscheidung des Kaisers Julian Apostata, der im Jahre 358 den Salfranken als Gegenleistung für die Bereitstellung von Truppen und Grenzsicherungsaufgaben das linksrheinische Toxandrien als Siedlungsgebiet überließ. Das zweite Kapitel steht im Zeichen Galliens und dem Ende des Weströmischen Reiches im Zuge der Völkerwanderung, der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (451) und der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus (476). Kapitel drei befasst sich mit den frühen Frankenkönigtum im Dunkel der Überlieferung. Neben der Suche Gregors von Tours Suche nach den ersten Königen der Franken, die er aus Pannonien kommen lässt, gibt es auch die abenteuerliche "origo gentis" bei der die Herkunft der Franken auf Priamos, den König von Troja zurückgeführt wird. Daneben wurde versucht, eine sakrale Stellung der Merowinger auf einen sagenhaften Stiergott, ein Meeresungeheuer oder im Zusammenhang mit ihrer langen Haartracht gar auf das Alte Testament zurückzuführen. Beginnend mit Gennobaudes (um 289) sind bis Neviogastes (um 410) vierzehn Frankenkönige sicher bezeugt. Anders als das Liber Historiker Francorum, das einen Faramund als Vater Chlodios ausweist, nennt Gregor von Tours Theudomer, Chlodio, Merowech und Childerich, den Vater Chlodwigs als erste, miteinander verwandte merowingische Herrscher. Nach Ausführungen zu König seinem Grab und Hort sowie archäologischen und schriftlichen Quelle....
..beginnt schließlich auf Seite 144 mit dem vierten Kapitel das erste von fünf, das dem Leben und Wirken Chlodwigs I. gewidmet ist. Beginnend mit der Eroberung des Syagrius-Reiches über die Rollen seiner Ehefrau Chrodechilde, Remigius von Reims und Martin von Tours bei der Bekehrung und Taufe Chlodwigs, die siegreichen Kriege gegen Westgoten und Burgunder wird seine Vita und ihre Bedeutung für den Lauf der Geschichte ausführlich dargestellt.Während die blutige Beseitigung der anderen Kleinkönige wenig rühmlich war, zählt die Übernahme der römischen Ordnung und vor allem die Schaffung der "Lex salica", in der auch seine Nachfolge geregelt wurde, zu seinen wichtigsten Leistungen.
Besonders Lobenswert und hilfreich für den Leser ist ein - mit 50 Seiten üppiger - Anhang. Einem Anmerkungsverzeichnis, folgen ein Bild- und Kartennachweis, eine Danksagung sowie vier Stammbäume "der frühen Merowinger bis zu Chlodwigs Söhnen" und den Königen der Westgoten, Burgunder und Ostgoten. Bevor ein Register das Gesamtbild der wissenschaftlichen Arbeit abrundet, bietet eine reichhaltige Bibliographie zahlen Lexika, Quellen und Literatur für einen tieferen Einstieg in die Thematik.
5 Amazonsterne für eine wissenschaftlich fundierte Rundumbetrachtung.