Sein Name ist Potts, Caractacus Potts.
Verständlich, dass man mit so einem Namen nicht im Geheimdienst Ihrer Majestät steht, sondern nur ein stinknormaler Erfinder ist. So dachte Bond-Autor Ian Fleming und kreierte mal ein Abenteuer ganz anderer Art: in seinem Kinderbuch "Chitty Chitty Bang Bang" steht ein ausrangierter Rennwagen im Mittelpunkt des Geschehens.
Doch nicht nur als Kinderbuch war die rührselige und phantasievolle Geschichte des schwimmenden und fliegenden Autos ein voller Erfolg, sondern auch in der übermütig fröhlichen Musicaladaption von Richard M. Sherman und der erfolgreichen Verfilmung des Stoffes von Bond-Produzent Albert R. Broccoli aus dem Jahre 1968 für die neben dem Mary Poppins-erfahrenen Dick van Dyke als Caractacus, der bezaubernden Sally Ann Howes als Truly und dem schrägen Lionel Jeffries als trotteligem Weltenbummler Grandpa Posh Potts auch der unvergessene Komiker Benny Hill als Puppenmacher und Goldfinger-Bösewicht Gerd Fröbe, der sich mit einer gekonnten Gesangseinlage mal von einer gänzlich unbekannten Seite zeigt, vor der Kamera standen.
Doch nicht nur die Schauspieler sind fantasmagorisch gut: 7 verschiedene Modelle mussten für Chitty Chitty Bang Bang's Auftritt angefertigt werden, damit das vielseitige Auto mit so manchem Bond-Schlitten problemlos mithalten konnte. Als Kulisse diente unter anderem Schoß Neuschwanstein, in dem ausnahmsweise nicht Ludwig II, sondern Baron Bomburst residieren durfte. Für die überschwänglichen Choreografien der "Toot Sweet" Bonbonfabrik-Szene wurden 38 Tänzer, 40 Sänger, 85 Musiker, 100 durchgedrehte Hunde und 22 Flötisten angeheuert, um Potts musikalische Zuckerstangen auf Zelluloid zu bannen. Und wer kennt nicht den lautmalerischen Titelsong, der sogar für den Oscar nominiert wurde?
Mit der leider nur in England erschienenen DVD-Fassung dieses spaßigen Klassikers präsentieren sich 2,5 Stunden kurzweilige Musicalunterhaltung technisch überarbeitet im satten 5.0 Digitalton und einem ruhigen, farbenfrohen Technicolorbild. Wer den Film nicht im französischen, italienischen oder spanischen Mono-Ton erleben will, dem bleibt nur die Originalfassung ohne deutsche Untertitel, jedoch ist die Sprache kindgerecht einfach gehalten, so dass ein fundiertes Schulenglisch allemal fürs Verständnis ausreicht - hinzu kommt der herrlich deutsche Vulgarien-Dialekt von Gerd Fröbe!
Fazit: Nicht nur für verwöhnte Bond-Fans interessant - ein liebenswertes Musical für die ganze Familie!