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Der Zufall spielt eine große Rolle im Roman Der Chinese von Henning Mankell, ein etwas zu große Rolle vielleicht. Auf der anderen Seite ist allzu viel konstruiert in dem Buch, das man trotz der Beteuerungen des Verlags kaum einen Kriminalroman oder gar, wie im Klappentext, einen atemberaubenden Thriller nennen kann. Denn nach dem fulminanten Beginn, der immerhin über einhundert Seiten wirkt, verliert sich Mankell in der Herleitung des Mordmotivs, das im großen, auf dem Rücken der Chinesen ausgetragenen Eisenbau Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Ursprung hat, mit dem die Weißen die Indianergebiete im Norden Amerikas zu erschließen suchten. Das wirkt für einen Kriminalroman, der zudem Köder auslegt, an die in der Folge nichts und niemand mehr anbeißt, alles etwas weit hergeholt -- und lässt die Fans von Kommissar Kurt Wallander ratlos zurück.
Wer sich aber unbefangen auf den Chinesen einlässt, wird trotzdem auf seine Kosten kommen. Denn Mankell kann (immer noch) brillant schreiben und erzählen. Und das macht seinen Roman jenseits aller Schwächen lesenswert.-- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ganz nett, aber...,
Von Noctifer "Noctifer" (München, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Chinese: Roman (Gebundene Ausgabe)
Innerhalb eines Tages hatte ich dieses Buch gelesen - weniger wegen der Hauptprotagonistin, der schwedischen Richterin, sondern mehr wegen dem Nebenstrang; den armen chinesischen Bauern im 18. Jahrhundert und, vor allem, dem Antagonisten.Zu kritisieren gibt es die Übergänge der verschiedenen Handlungsfäden. Die Zufälle häufen sich (das Ganze wirkt schlussendlich sehr konstruiert), während das Verhalten der Richterin teilweise nicht nachvollziehbar für mich ist. Sei es der dargestellte Fakt, dass die Hauptprotagonistin ständig in der Gegend herum reist, mal "schnell" Visa für China beantragt und dort mit einem unscharfen Bildausdruck allein (!) auf die Jagd nach dem Mörder geht. Zumal die ehemalige Möchtegern-Revolutionärin bzw die Richterin einfach _zu_ perfekt ist: Erfolgreich und fest im Berufsleben, während sie nebenher vier (!) Kinder groß gezogen hat. Ein harter Negativpunkt für mich: Maos Herrschaftszeit wird von Mankell 'schön geredet'. Das war für mich, persönlich, ein sich durch das Buch ziehendes Ärgernis. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Schuster bleib bei deinen Leisten,
Rezension bezieht sich auf: Der Chinese: Kriminalroman (Taschenbuch)
Der schwedische Vielschreiber Mankell spannt hier nicht nur einen sehr weiten Bogen, er scheint auch nicht zu wissen welche Art von Roman er schreiben möchte. Vordergründig versucht er, den Massenmord in einem verlassenen schwedischen Dorf aufzuklären aber Hauptthema ist die Frage, welche Schuld die "erste Welt" gegenüber den einst kolonialisierten Ländern hat und was passiert, wenn einzelne Mächtige in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie China anfangen, offene Rechnungen persönlich zu begleichen. So widmet er ein ganzes Kapitel einer chinesischen Handelsdelegation nach Simbabwe, in dem er den chinesischen Neokolonialismus in einem der ärmsten afrikanischen Staat anprangert. Allerdings vergisst er zu erwähnen, dass es korrupte afrikanische Politiker sind, die den Chinesen bereitwillig Ländereien von der Grösse der Bundesrepublik verpachten um sich persönlich zu bereichern. So hat sich der von Mankell lobend erwähnte Robert Mugabe erst vor etwa zwei Jahren einen Maybach bestellt und darauf bestanden, dass das Fahrzeug mit solch wichtigen Extras ausgestattet wurde, wie einem beheizbares Lenkrad (in Afrika!). Kolonialismus, auch mit Betonung auf Neo, sieht anders aus.Den Mittelteil - in dem chinesische Arbeiter zwangsrekrutiert im amerikanischen Eisenbahnbau schuften - lässt der Autor über Gebühr ausufern. Auch das 20. Jahrhundert, Mao und die Kulturrevolution, handelt Mankell ab, wobei der unmenschliche Diktator dabei erstaunlich gut wegkommt. Die Einbeziehung der politischen Verhältnisse in China ist prinzipiell zu begrüßen, leider ist Mankell nicht differenziert genug, zu platt wird "der korrupte Parteiapparat" angeprangert, zu wenig Substanzielles wird behandelt oder auch nur benannt. Mankells dialektische Verknüpfungen sind sowohl ideologisch als auch historisch mehr als nur holzschnittartig. Im letzten Drittel des Romans kommt der Autor endlich wieder auf seine Protagonistin Richterin Birgitta Roslin zurück und versucht, die animalisch anmutenden Taten im schwedischen Dorf durch ein Seidentuch mit der weltweit operierenden chinesischen Mafia zu verbinden. Dieser Versuch ist jedoch ebenso dünn gewoben wie die historisch konstruierte, dem Roman zugrunde liegende Verschwörungs-Rache-Theorie. "Der Chinese" ist fraglos ein schwacher Roman. Hätte sich der Autor für ein Genre entschieden - entweder bedächtiger schwedischer Krimi oder chinesische Polit-Geschichte - wären möglicherweise zwei bessere Bücher herausgekommen. Schade, ein wenig entsteht der Verdacht, dass Mankell unbedingt pünktlich zur Eröffnung der Olympiade veröffentlichen wollte, also auch hier eine Kollision von kommerziellen Interessen mit vorgeschobenen Überzeugungen. PS.: Nachdem sich die gebundene Ausgabe von 2008 bei 3 Sternen eingependelt hat, erscheinen mir die überschwenglichen Rezensionen dieser neueren Taschenbuchausgabe reichlich schleierhaft. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
111 von 134 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Die "Mankellsche Verführung",
Von Helmut Cremers "Helmut Cremers" (Oberhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Chinese: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die "Mankellsche Verführung" beginnt mit der ersten Zeile und hält 140 Seiten an. Das liest sich so:"...Frrüh am Morgen des 13.Januar erreicht der Wolf ein kleines Dorf. Er bleibt stehen und nimmt Witterung auf. Irgendwoher kommt Blutgeruch...Am Waldrand beginnt der Wolf zu fressen. Es geht leicht, weil das Fleisch noch nicht gefroren ist. Er ist jetzt sehr hungrig. Nachdem er einen Lederschuh von einem Fuß gezerrt hat, beginnt er, das Bein von unten her anzunagen..."Was ist furchtbares geschehen? In Hesjövallen, einem kleinen Dorf, wurden achtzehn meist alte Menschen auf bestialische Weise niedergemetzelt. Die Polizei glaubt an die Tat eines Wahnsinnigen. Brigitta Roslin, eine Richterin, ist anderer Meinung. Sie ist sogar der Überzeugung, dass die Tat minutiös geplant worden ist und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und tatsächlich: Ein rotes Seidenband, das die Polizei am Tatort gefunden hat, bringt die Richterin auf die Spur eines geheimnisvollen Chinesen... Krimi-Spannung in Wallander-Qualität. Ich war gefesselt. Allerdings lässt mich Mankell in diesem Zustand ziemlich verwirrt zurück, denn er hat andere Zwecke im Auge. Er will mich auf etwas aufmerksam machen, etwas, was ihm besonders am Herzen liegt: auf den schwarzen Kontinent, auf Afrika. Ab Seite 141 führt Mankell bedächtig - aber sehr anschaulich - an die Thematik heran. Er greift die Armut der chinesischen Bauern in der Mitte des 19.Jahrhunderts auf und zieht damit eine Parallele zur Geschichte des afrikanischen Kontinents: die Verelendung der Landbevölkerung, deren Flucht in die Städte, ihre Verschleppung und Versklavung. Dann kommt Mankell zu seiner fiktiven Geschichte und zu seinen damit verbundenen Befürchtungen. An einem Wintertag des Jahres 2006 versammeln sich im Sitzungssaal des Gebäudes "Der gelbe Kaiser", fünfzig Kilometer westlich von Peking, die mächtigsten Frauen und Männer Chinas. Yan Ba hält im Auftrag des Präsidenten eine fünfstündige Rede. Er trägt vor, dass China vor einer großen Bedrohung stehe, der nur mit kühnen Maßnahmen begegnet werden könne. Man befürchtet Chaos in verschiedenen Teilen des Landes, wenn hundert Millionen Bauern sich wütend erheben. Denn trotz steigenden Wohlstandes befindet sich die Landbevölkerung am Rande des Existenzminimums. Die Lösung des Problems, so der Redner weiter, liege in der Übersiedlung Millionen chinesischer Bauern auf den afrikanischen Kontinent, die dort brachliegendes Land bearbeiten könnten. China würde nicht als Eroberer kommen, sondern als Freund. Mankells Ängste vor dem großen Engagement Chinas in Afrika sind nicht unbegründet. Chinas enormes Wirtschaftswachstum fordert Rohstoffe: Kupfer aus Sambia, Mangan aus Gabun, Holz aus dem Kongo und von überallher Erdöl. Ein Ministerialbeamter aus Peking beschreibt die Haltung Chinas so:"Jede Beziehung zwischen uns und einem afrikanischen Staat ist eine Freundschaft zwischen Partnern auf gleicher Augenhöhe." Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki findet allerdings zum Thema: "China, Afrikas neuer Freund" ungewöhnlich harte Worte: Angesichts von Chinas übermächtiger Wirtschaftskraft sei die Gefahr groß, dass Afrika quasi zu dessen Kolonie werde. Bisher diene man dem Partner vor allem als eins: als Lieferant für Ressourcen. Afrika, das Rohstofflager der Volksrepublik. Mbeki:"Dadurch ist Afrika zur Unterentwicklung verdammt. Es besteht die Gefahr, dass zu China eine Beziehung aufgebaut wird, die koloniale Abhängigkeiten wiederholt." Mankell will wohl mit diesem Buch seiner Fan-Gemeinde einen Denkanstoß zu "seinem" Thema geben. Wer sich darauf einlassen will, der kann das getrost tun, denn er schreibt über 200 Seiten politisch fundiert und engagiert. Vor allem aber schreibt Mankell in seiner gewohnt brillanten Art. Der Krimi jedoch bleibt leider auf der Strecke. Wer nur den Krimi lesen will, ohne etwas zu versäumen, der lese nur folgende Seiten: S.9-140; S.257-416; S.520-603. Herr Mankell, bleibt nur zu hoffen, dass Ihnen Ihre Fans diese "Bauernfängerei" nicht übel nehmen werden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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