Der dritte Roman des Hutchins-Universums steht ganz in der Tradition des Erstlings "Gottes Maschinen", auch wenn es sich (wieder) nicht um dessen Fortsetzung handelt. Im Gegensatz zur "Sanduhr Gottes", die von einem beliebigen Autor hätte stammen können, fühlt man sich hier sofort zu Hause.
Der Einstieg gerät allerdings etwas holprig: Per Zufall wird während einer Mission ein Signal aufgefangen, dass sich nicht eindeutig als künstlich oder natürlich einordnen lässt; die zweite Szene führt zu einer mehr oder minder dramatischen Rettungsaktion, die sich wie eine Nachwehe aus der "Sanduhr" anfühlt und letztlich für den weiteren Fortgang der Geschichte keinerlei Bedeutung hat. Erst dann beginnt der Aufbau der eigentlichen Handlung: Eine Gruppe privater Sponsoren organisiert einen Flug, um der Quelle des entdeckten Signals auf die Spur zu kommen - mit dabei Priscilla "Hutch" Hutchins.
Ab hier wird es bereits schwer, etwas über den Inhalt zu schreiben, ohne zu viel vorweg zu nehmen: wie erwartet ist das Signal künstlichen Ursprungs und seine Verfolgung entwickelt sich zu einer regelrechten Schnitzeljagd, deren Ziel schließlich das titelgebende "Chindi" ist - allerdings erst jenseits der 400 Seiten-Marke (insofern ist der Klappentext eher irreführend). Dass am Schluss noch mal eine aufwändige Rettungsaktion in letzter Sekunde ansteht, wirkt ähnlich ermüdend wie die obligatorischen Autoverfolgungsjagden in diversen US-Thrillern. Dies ist aber nur eine Kritik an der Tatsache an sich, der Text selbst ist McDevitt-typisch äußerst kurzweilig verfasst.
Dennoch soll für literarisch sensible Zeitgenossen nicht verschwiegen werden, dass man dem Buch das ein oder andere verzeihen muss: Hutchs Liebesleben ist ein Debakel (Achtung: Klische!); in einer Station namens "Outpost" lassen sich gleich drei alte Bekannte auf einmal treffen (dabei liegt die nun wirklich am A. der Welt); die Sponsorengruppe aka "Gesellschaft Kontaktsucher" wird allgemein als Truppe romantischer Spinner betrachtet (obwohl die Menschheit bereits Kontakt mit - wenn auch niedrig entwickelten - Aliens hatte); und selbige tappen zudem mit einer kindlichen Naivität von einer brenzligen Situation in die nächste, obwohl es im "echten Leben" herausragende Erfolgtypen sein sollen. Glücklicherweise sind bis auf den letzten Punkt alle ohne Bedeutung für die eigentliche Handlung, weshalb sich schnell darüber hinweglesen lässt. Nicht-McDevitt-Fans sollten allerdings einen Wertungsstern abziehen.
Die eingangs erwähnte Tradition beinhaltet leider auch, dass wieder einige lose Enden der Handlung übrig bleiben. Dafür entdeckt man zwischen den Zeilen ein Novum: die Andeutung, dass dies nicht so bleiben wird. Vielleicht halten wir eines Tages tatsächlich den echten Fortsetzungsband von "Gottes Maschinen" in den Händen. Schön wär's, bis dahin sei zur Überbrückung dieses Buch empfohlen.