Buckells Geschichte des Planten Chilo spielt im Streuner-Universum, das dem Leser eventuell aus den Romanen "Kristallregen" und "Streuner" bekannt ist.
Buckell legt viel Wert auf die ethnische Zugehörigkeit seiner Protagonisten zu exotischen Völkern, deren Kulturen in Verbindung mit futuristischen Entwicklungen einen netten Sci-Fi Cocktail ergeben.
Da gibt es Pepper, den Mungo-Mann, der ein jamaikanischer Elitekrieger der Rastafaris vom Planeten New Agenada ist. Er kann alles, ist nahezu unverwundbar, ist Jahrhunderte alt und stellt James Bond bei Weitem in den Schatten.
Timas lebt auf der schwebenden Stadt Yatapek, die sich in der Atmosphäre von Chilo befindet. Er gehört dem Volk der Azteken an, das einst von den Satrapen (Aliens) beherrscht wurde, sich mit Hilfe der Streuner (=Jamaikaner) befreien konnte, und ein kollektives Trauma davongetragen hat. Die Azteken sind arm und sind auf primitive Techniken sowie die Unterstützung der Städte des Äolischen Bundes angewiesen. Durch Timas wird man mit aztektischen Elementen wie die Jaguar- und Adler-Krieger oder Opfer für die Götter konfrontiert.
Die Äolier wiederum sind Menschen, die technisch sehr fortgeschritten sind und ihren Geist in ein demokratisches Kollektiv einklinken können, das über jede politische Frage eine Abstimmung hält (die Schweizer des 30. Jhdts???).
Da ich die ersten Bände von Buckell nicht gelesen hatte, dauerte es, sich in dieses Universum einzulesen - zuviel Detailfülle in zu kurzer Zeit. Schriftstellerische Brillanz kann man Buckell auch nicht vorwerfen, wodurch das Lesen anfangs sehr zäh war.
Wie auch immer, Pepper stürzt aus dem Orbit um Chilo auf die Stadt Yatapek, überlebt und wird von den Äoliern gesucht. Er sei ein Schwerverbrecher. Die durch den Absturz Peppers verursachten Trümmerteile beschädigen wieder die einzige Erzabbaumaschine auf der Plantenoberfläche Chilos und töten beinahe Timas, der zur selben Zeit Aliens auf der Oberfläche gesehen zu haben glaubt, was für den Ausgang der Geschichte von Relevanz ist.
Es kommt nun zu einem diplomatischen Tauziehen zwischen Yatapek und Äoliern um Pepper, der wiederum vor einer Seuche namens Schwarm warnt. Diese Krankheit macht Menschen zu Zombies. Die Übertragung erfolgt - erraten - durch Beissen....
Wird Peppers Warnung ernstgenommen? Sind die Äolier und Yatapek dem Tode geweiht? Kann der sich näherende Schwarm aufgehalten werden? Und wer bzw. was steckt hinter diesem Schwarm, der sehr zielgerichtet zu agieren scheint?
Die Antworten auf diese Fragen, so überhaupt vorhanden oder verständlich, ergeben einen netten Ethno-Sci-Fi-Horror-Roman, mit netter Technik, netten Kämpfen, Schlachten und auch Herzschmerz. Drei Sterne.