"Ein Spast? Natürlich weiß ich, was ein Spast ist: ein kleiner Vogel." - So zitiert "Frau Freitag" einen ihrer Schüler.
- Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass der Lehrer-Job nicht heißt: vormittags in der Schule und ein halbes Jahr Ferien. Sondern dass er durchaus - nennen wir es einmal - Herausforderungen mit sich bringt, insbesondere, wenn man an einer Haupt- oder Gesamtschule tätig ist.
"Frau Freitag" erzählt mit einem Augenzwinkern von ihrem Alltag als Lehrerin einer 9. Klasse und nimmt den Leser so mit hinein in die Realität der Schule heutzutage, bzw. wie diese in einer Großstadt aussehen kann. Dabei betont sie immer, dass alle ihre Schüler Deutsche sind und differenziert nicht nach Migrationshintergrund oder Ähnlichem bei Schülerinnen und Schülern, die die "Heimat" ihrer Eltern oder Großeltern allenfalls aus dem Urlaub kennen.
Auch schafft sie es, die Ambivalenzen und das Hin- und Hergerissensein treffend zu beschreiben: Zum einen die Liebe zu den Kindern und die Besonderheit jedes einzelnen Menschen, der da vor ihr sitzt (oder eben nicht vor ihr sitzt, weil er oder sie schwänzt), und gleichzeitig, wie genau diese liebenswerten Menschen sie in den Wahnsinn treiben können und welche Auswirkungen das auch auf die Lehrperson und ihr Privatleben haben kann. Etwas, das wahrscheinlich jeder Lehrer - wenn auch vielleicht nicht in diesen Extremen - kennt. "Frau Freitag" zeigt, dass man in diesem Beruf Engagement und Liebe mitbringen muss und trotzdem dabei Mensch bleibt, der auch einmal an seine Grenzen kommt.
"Realsatire" - die Bezeichnung trifft das Buch in meinen Augen völlig korrekt: Dass etwas durchaus Reales ein wenig satirisch überzogen erzählt wird. Das Buch lebt in seiner Zeit, so könnte ich mir vorstellen, dass es vielleicht in fünf Jahren schon für Einige schwierig nachzuvollziehen sein wird, wer Mehrzad und Menowin, Lena oder Frau Noble sind.
Die kurzen Kapitel und der locker-freche Stil laden dazu ein, das Buch häppchenweise zu lesen, das bietet sich hier geradezu an. Der Stil ist sehr ironisch und ein wenig sarkastisch und sie scheut sich auch nicht, durchaus einmal den Wortschatz der Schüler Wort-wörtlich aufzunehmen. Das liegt vielleicht nicht jedem, aber ich habe das Buch Alles in Allem durchaus mit Vergnügen gelesen, wenngleich oder gerade eben weil es ein ernstes gesellschaftliches Problem beschreibt.