" Chili" ist ein bibliophiles Buch mit wunderschönen Fotos von delikaten Speisen, in denen rote und grüne Nahrungsmittel den Appetit anregen.
Man wird neugierig auf die vortrefflich erklärten Rezepte, deren Zutaten immer wieder mit besagtem Gewürz - je nach Dosierung - höchst interessante Geschmacksnuacen entstehen lassen.
Bevor die vielen bemerkenswerten Speisen in den Fokus des Lesers geraten, wird er jedoch zunächst über die historische Entwicklung des Gewürzhandels und hier im Besondren über die der Chilivermarktung informiert.
Arabische, venezianische und deutsche Kaufleute ( nicht nur Fugger, sondern viele norddeutsche Hansekaufleute) wurden reich durch den Handel mit Gewürzen, die in der Renaissance-Zeit in der Regel über bestimmte Handelsrouten aus dem Orient nach Europa ihren beschwerlichen Weg fanden. Später dann, nach der Entdeckung Amerikas, kam der " Spanische Pfeffer", darunter verstand man die scharfen Chilischoten , in die Alte Welt.
Heute gelten Indien, Mexiko, China, Japan, Indonesien und Thailand als Hauptexportländer für Chilis unterschiedlichen Schärfegrades.
Es gilt die Regel: je kleiner der Chili, desto schärfer ist er und je grüner die Schote ist, desto milder schmeckt sie. " Capsaicin" heißt der Stoff, der je nach Reifegrad in Samen, Adern und Haut des Chili für Schärfe sorgt. Vitamin- und mineralstoffreich sollen die kleinen Teufelsschoten sein, doch bei allen gesundheitlichen Vorteilen sollten Sie Ihren Magen erst langsam an das Höllen-Gewürz gewöhnen. Muten Sie sich nicht mehr zu als Sie auch wirklich vertragen können.
Die Autoren stellen in diesem Buch scharfe Basics, Suppen und Vorspeisen, kleine Gerichte, Hauptspeisen, hier sowohl Fleisch- Wild- und Geflügelgerichte als auch Fisch- und Meerfrüchtekreationen und schließlich Desserts sowie hochinteressante Cocktails vor.
Damit Sie einen Eindruck davon erhalten, welche Rezepte Sie hier erwarten, möchte ich für jede der genannten Rubriken mindestens ein Rezept aufzeigen.
In die Rubrik " scharfe Basics " gehört nicht zuletzt das Rezept für " Chilisauce". Hier benötigt man nur vier Zutaten, um zu einem beachtlichen Ergebnis zu gelangen. Diese Sauce ist eine spektakuläre Geheimwaffe in der Küche, um Gerichte aufzupeppen. Hier sollten Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ihre Gäste werden es schon überleben.
Eine Wahl bei den vielen delikaten Suppenrezepten zu treffen, ist nicht einfach. Der " Chili-Bouillabaisse" kann keiner widerstehen, selbst ein eingefleischter Suppenkaspar nicht.
Knurrhahn, Rotbarbe, St. Pierre, Crevetten und Miesmuscheln sind ein Muss in besagter Marseiller Fischsuppe. Auch Weißwein, Tomaten, Knoblauchzehen, bestimmte Kräuter und natürlich Safranfäden dürfen nicht fehlen. Jalapeno-Chilis und einige Esslöffel Noilly Prat allerdings machen aus dem Fischermahl ein geradezu umwerfendes Gourmethighlight, zu dem eine kühle Flasche Bandol der richtige Begleiter sein dürfte.
Die Vorspeisen verlocken alle. Ausgewählt habe ich " Yam Talay" ( das ist ein scharfer Meeresfrüchtesalat mit Chilis nach thailändischer Art). Dieser Salat wird heiß serviert. Gekochte Calamari und Jakobsmuscheln, sowie Garnelen werden unter Streifen von grünem Paprika, Erbsschoten, Sojasprossen und Frühlingszwiebeln gehoben. Zitronenblätter, Koriander und andere exotische Ingredienzien sorgen für die asiatische Note. Der Thai-Chili ist letztlich dann der Kick , der Sie von den schönen Stränden auf Ko Samui träumen lassen wird.
Unter den kleinen Gerichten fällt das " Gelbe Chili-Gulays vom Bresse-Huhn" besonders ins Auge. Zu den Zutaten gehören neben dem Tier mit den blauen Füßen, Paprika, ein Esslöffel gehackter Majoran und 3 Esslöffel Petersilie, Creme fraiche selbstredend und ein Red-Habanero-Chili. Dazu sollten Sie sich eine Flasche Chante-Alouette ( Hermitage) gönnen. Das Bresse-Huhn wird aus Gründen, die ich hier nicht extra aufführen brauche, nicht betrunken werden können, obgleich dieser vorzügliche Weißwein 13,8% alc/vol in sich birgt.
Kleine Käse-Gerichte, die nicht nur Rotwein begleiten sollen , gibt es im Buch zahlreiche. Viele lassen sich in ein Menue einbauen. Besonders hervorheben möchte ich " Explorateur-Chili-Torte mit Nüssen". Das Rezept beinhaltet neben dem Käse, 2 Esslöffel Portwein, 2 Esslöffel Sherry, zwei Carmen-Chilis auch gehackte Walnüsse. Vielleicht sollte man dazu eher Portwein trinken. Die Geschmacksnuacen des Gerichtes sind nicht geeignet für einen guten Roten. Zu diesem passt dann eher der " Ziegenkäse in Asche mit einem Hauch von Chili-Mango-Chutney ".
Bei den Hauptgerichten habe ich einerseits " Feuriges Ratatouille mit Rouget Barbet aus der Folie gewählt" , eine sehr verlockende mediterrane Speise, und andererseits die " Lammkrone mit Zitronenthymian-Chili-Kruste und süßem Paprika". Dazu sollten Sie ein Glas Rioja trinken und in Gedanken den Seefahrer zuprosten, durch deren Pioniergeist es erst möglich wurde, sich allem Faden auf immer zu entziehen.
Natürlich finden Sie in diesem Buch auch ein Rezept für " Chili con carne". Das beste, das ich je gelesen habe! Allein für dieses Rezept, welches ich mich hüte Ihnen preiszugeben, lohnt sich die Anschaffung des Buches.
Sofern Sie ein Zuckermäulchen sind, sollten Sie sich das " Spanische Mandelparfait mit Chili-Karamellsauce" nicht entgehen lassen.
Wobei Sie nach dem umfangreichen Chiligenuss wahrscheinlich so gefährlich hochgetempert sind , dass Sie jetzt sinnvollerweise mit Ihrem Liebsten in den Garten gehen sollten , um dort einen Cocktail zu genießen, vielleicht " Orangenmargarita mit Chili". Dabei können Sie ohne Hektik auskundschaften, wie sich das feurige Getränk auf Ihrer beider Frühlingsgefühle auswirkt.
Denken Sie daran, die Farbe des Chilis ist rot!
Ein wirklich empfehlenswertes Buch!