Ich kann von diesem Reiseführer nur abraten! Ich war einige Wochen mit diesem Buch in Chile unterwegs und wurde schwer enttäuscht.
Abgesehen von den allgemeinen und regionalen Reisetipps im Mittelteil erzählen zwei Drittel des 650-Seiten-Wälzers von der Geschichte Chiles und den einzelnen Ortschaften. Das mag für die Reisevorbereitung und Allgemeinbildung durchaus hilfreich sein, aber vor Ort sind derart Ausführliche Textpassagen sehr hinderlich bei der gezielten Informationssuche.
Hat man dann endlich die gesuchte Beschreibung einer Sehenswürdigkeit gefunden (das Register ist dabei oftmals nicht sehr behilflich) fehlen meist sehr wichtige Details.
Um hierzu ein Beispiel zu nennen: In der Pinguin-Kolonie am Seno Otway leben tatsächlich im Durchschnitt sogar mehr Pinguine als im Buch beschrieben. Die durchaus wichtige Information, dass die Pinguine die Kolonie Anfang März (ich war dort Ende März) verlassen, fehlt leider gänzlich. Des Weiteren empfiehlt der Autor auch einen Besuch der Kupfermine in Chuquicamata, verschweigt allerdings, wo und bis wann man sich für eine Führung anmelden muss. Die kostenlosen (das wird auch nicht erwähnt) Besichtigungen sollten auch in der Nebensaison zwei Wochen vorher reserviert werden.
Die Preisangaben scheinen mir zum Teil auch völlig aus der Luft gegriffen zu sein, was aber daran liegen kann, dass die Hauptsaison bei meiner Reise bereits vorbei war. Aber es fehlen eben doch Angaben zu Preisen für Busse, Park- und sonstige Eintritte. Die Erkenntnis, dass die Chilenen an jeder noch so kleinen Sehenswürdigkeit abkassieren musste ich wahrlich teuer bezahlen. Ein für den Autor "bescheidenes Eintrittsgeld" für einen kleinen Wasserfall kratzt gerne mal an der 5€ Marke.
Und bei dem Titel "für individuelle Entdecker" habe ich mir doch mehr erwartet. Die Angaben zu Campingplätzen und deren Ausstattung weichen, wenn überhaupt vorhanden, oft von der Realität ab. Auch hier entsprechen die Preisangaben, die mit ein bis sechs Dollarzeichen angegeben werden, häufig bei Weitem nicht den tatsächlichen Kosten. Die Preise sind glücklicherweise meist niedriger.
Der Reiseführer hat natürlich auch seine guten Seiten. Wie bereits erwähnt sind die geschichtlichen Fakten sehr ausführlich und interessant erläutert. Die vielen Stadtpläne sind sehr einfach gehalten und zeigen korrekt und präzise die Standorte wichtiger Einrichtungen.
Die Unterteilung des Buches in Informationen zu jedem Ort auf gelben Seiten in der Mitte und den Reiseempfehlungen im hinteren Abschnitt finde ich persönlich furchtbar. Man muss sich daran gewöhnen, dann kommt man damit ganz gut zurecht.
Als Fazit kann ich sagen, dass das Buch zur groben Vorbereitung und als geschichtliches Lehrbuch einigermaßen zu gebrauchen ist, sich aber als "Führer auf Reisen" als absolute Katastrophe erweist. Ein Reiseführer muss mir aufzeigen, wann ich was, wo und wie besuchen bzw. sehen kann und was mich dort erwartet. Dazu fehlen einfach zu viele entscheidende Details. Außerdem passt der, mit unnötigen Bildern und Hintergrundinfos aufgeblähte Briefbeschwerer kaum in den Rucksack.