Mutig: Ein Doppel-Album zwischen der Progressivität alter Meister und der wärmenden Melancholie skandinavischen Indie-Rocks. soup präsentieren ein ambitioniertes Debüt. Verschnaufen, Sacken lassen, den Mund langsam wieder schließen. Der erste Hördurchlauf dieses Doppel-Albums ist mit dem Adjektiv fordernd noch recht milde umschrieben. Dabei ist es nicht einmal so, dass es anstrengend wäre, was einem hier in fast eineinhalb Stunden geboten wird. Es ist einfach die schiere Detail-Fülle, welche die Einordnung dieser Platte zunächst schwierig macht. Da hilft eigentlich ein erneuter Durchlauf. Und dann passiert es – die Formation um Kreativ-Kopf Erlend Viken entwickelt schnell eine Sogkraft, die, zumindest beim aufmerksamen Musik-Konsumenten, den Ehrgeiz wecken sollte; die Songs in all ihren kleinen Details zu entschlüsseln und in den Album-Kontext einzuarbeiten, braucht nämlich durchaus seine Zeit. soup - In Memory Of Richard Wright" Zum Glück, im Sinne der Zugänglichkeit, schälen sich aber bereits schnell erste Favoriten heraus, wie das mächtige "In Memory Of Richard Wright". Über die Ehrerbietung für den verstorbenen Pink Floyd-Tastenmagier hinaus, liefern soup mit diesem Stück bereits eine Referenz-Größe für den Band-Sound, der sich vielfach offensichtlich an den stilprägenden Psychedelic-Progressive-Rock der legendären Briten anlehnt. Endet "In Memory Of Richard Wright" noch in kakophonischem Synthie-Gewaber, schiebt das anschließende "Streams" den Hörer in vollendeter Zartheit, zu sanfter Akustik-Gitarre, in Richtung des nächsten Song-Monolithen "The Roots are Decaying". Diese Abfolge stellt sich als Blaupause für "Children Of E.L.B." heraus: Songs, die sich um teils herzzerreißend schöne Keyboard-Klänge langsam aufbauen und vom später einsetzenden Gitarre-, Bass-, Schlagzeug-Triumvirat druckvoll zu Ende gebracht werden. Über allem thront dabei die weit ausholende Stimme von Erlend Viken. Doch in den Stücken von soup steckt immer auch ein wenig mehr, als dieses, sich häufiger ähnelnde Schema vermuten lässt. soup - "Utopia" Zentral sind fast immer die elektronischen Elemente, die, von Samples, Beat-Geplucker und flüchtigen Keyboard-Melodien durchsetzt, den Song nach Belieben zu dynamisieren vermögen. Tempo und Lautstärke werden maßgeblich zur Aufgabe des Band-Kopfes, der, versteckt hinter seinem Electro-Instrumentarium, zum Dirigenten in eigener Sache wird. Auf eine geheimnisvolle Art und Weise merkt man an vielen Stellen aber auch, dass die Songs als kleine, verschüchterte Pop-Skizzen angefangen haben. Umso höher ist zu bewerten, welch Metamorphose diese durchlaufen haben müssen, um am Ende im Kontext dieses Albums zu funktionieren. Da steckt nicht nur ein Haufen Arbeit drin, sondern auch eine unglaubliche Liebe zum Detail. So darf es dann gerne auch an einigen Stellen pathetisch werden, wie im abschließenden "We Share The Same Breath, Pt.2", das gleichzeitig Motive des Openers aufnimmt und somit den Rahmen für ein hoch ambitioniertes Album bildet. soup - "We Share The Same Breath pt 2" (live) In ihrer Heimat Norwegen arbeiten sich soup so langsam und sicher aus dem Geheim-Tipp-Status heraus und mit diesem, produktions-technisch vielleicht noch etwas hinter der Stärke der Songs zurückstehenden, Werk könnten sie sich auch hierzulande vermehrt Gehör verschaffen. Verdient hätten sie es allemal. Denn eine Band, die es schafft, melancholisch angehauchten Indie-Rock skandinavischer Spielart mit Post-Rock und einer ehrfürchtigen Verbeugung vor alten Progressive-Rock-Heroen zu verbinden, die zeichnet sich bereits ganz von selbst aus.
Rezension
Mit dem Doppel Album children of e.l.b. liefert soup eines der monolithischsten norwegischen Alben diesseits der Jahrtausendwende. (ABCNews, Norway)
Wenn Sie darauf gespannt wären, was dabei heraus kommt, wenn Pink Floyd und The Postal Service den Soundtrack für Twin Peaks - Season Three schreiben würden - dann sollten Sie wirklich einen genaueren Blick auf diese Band werfen. (Pitch)