Selten habe ich ein so fesselndes Charakterbild der Erben von Heinrich VIII. gelesen. Wunderbar werden die einzelnen Charaktere zum Leben erweckt. Die Autorin greift dazu auf Überlieferungen von Zeitgenossen und erhaltene Schriftstücke der Hauptpersonen zurück. Besonders lebendig wirken dabei die kleinen Anekdoten rund um die Protagonisten. Die Autorin gibt sich auch nicht der Versuchung hin, ihr Buch durch unbewiesene Gerüchte und Erzählungen, die gewiß einen Reiz haben, interessanter zu machen. Sie geht zwar auf diese Gerüchte ein, entkräftet sie aber oft durch überzeugende Gegenargumente, die immer auf zeitgenössischen Quellen beruhen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch das für einen historischen Roman sehr umfangreiche Literaturverzeichnis. Doch die Autorin verweist nicht nur auf weiterführende Literatur, in den Text fügt sie nahtlos ein, welche Sehenswürdigkeiten (wie die selbstgestrickten Kinderkleider von Maria I. in Hever Castle) noch immer zu besichtigen sind. Man ist versucht, auf den Spuren der Protagonisten eine Reise durch Südengland zu machen. Kurzum: ein rundum gelungenes Buch! Eine kleine Anmerkung sei mir noch erlaubt: dieses Buch ist durchaus für Leser geeignet, die kaum mit englischsprachiger Literatur vertraut sind, denn die Sprache der Autorin ist klar und verständlich.