Das Buch habe ich eigentlich nur gekauft, weil ich es jemandem in der Sbahn lesen gesehen habe und mir das Cover gefiel. Als ich das Buch dann allerdings angefangen habe zu lesen, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen.
Das Buch beginnt nicht, wie ein typischer Thriller oder Krimi direkt mit einem Mord und einer dann folgenden Morduntersuchung. Vielmehr wird zunächst die Situation in der Sovietunion dargestellt, zusammen mit ihrem System, basierend auf der Angst der Menschen. Mitten in dieser Situation lernt man den Hauptcharakter Leo kennen. Er ist ein Staatsdiener, er glaubt an den Staat, er glaubt alles richtig zu machen. Und so ist es ihm nicht möglich, den Tod des Sohnes eines Kollegen als Mord anzusehen, denn Verbrechen gibt es in der Sovietunion nicht. Aus der dieser Situation heraus, in der man mit Leo, obwohl er nicht unbedingt ein typischer Heldencharakter ist, schon mitfiebert und ihn in irgendeiner Weise auch schon versteht, entwickelt sich dann die eigentliche Geschichte, in der Leo von einem gehorchenden Diener das Staates zu einem Menschen wird, der alles an was er glaubt verliert und riskiert um einen Mörder zu finden, den es nicht geben darf. Die Wendungen, die die Geschichte dabei nimmt, sind so unerwartet und doch völlig in die Geschichte integriert, dass sie nicht plötzlich "da" sind, sondern sich vielmehr ankündigen um dann umso unerwarteter "Fakt" zu sein, ohne das man als Leser genau weiß, wie es nun dazu kam.
Dieses Buch sollte man nur zur Hand nehmen, wenn man genug Zeit, denn man wird es nicht so schnell wieder weg legen können. Es ist nicht einfach nur ein Thriller, sondern dieses Buch zeichnet auch ein Bild der Sovietunion, welches eine Atmosphere kreiert, die eigentlich eine zweite Geschichte schreibt. So hat man zum einen die Morde und die Suche nach dem Mörder und zum anderen die die Verfolgung Leos und seiner Frau, durch die Menschen die er einst Kollegen nannt und zu denen er selbst gehörte.
Vor allem aber ist es auch die Art, wie Smith schreibt, die dieses Buch so faszinierend macht. Am Anfang kann es ein wenig irritieren, doch umso mehr man liest umso mehr liest man sich in den Stil des Autors. Als Leser weiß man immer mehr als Leo, dass aber auch nur, wenn man Aufmerksam liest - und das von Anfang an.
Wer Bücher mag, in denen nicht nach einem altbekannten Schema Mörder gefangen werden, und wer sich auf eine Atmosphäre einlassen kann, wird dieses Buch nicht wieder zur Seite legen können.