Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Chiko - der deutsche Tony Montana?, 14. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Chiko (DVD)
Ein deutscher Gangsterfilm - der Trailer von "Chiko" überzeugt zunächst, dass so etwas möglich ist. Zu Beginn des Films wirken der titelgebende Antiheld und sein Kumpel Tibet jedoch nicht wie ihre großen amerikanischen Vorbilder, sondern wie gefährlichere Varianten von Erkan und Stefan. Zwei vertrottelte Kleindealer aus der Hamburger Unterschicht, die zwar grau ist, aber von Ghetto noch weit entfernt. Doch spätestens als Chiko gemeinsame Sache mit dem Untergrundboss Brownie macht und sich von seinem besten Freund abwendet, da dieser nicht das Potenzial für höhere Aufgaben besitzt, entwickelt sich der Streifen zu dem, was er wirklich ist: ein temporeiches Drama, das neben einer im hiesigen Kino noch nicht gesehenen Härte, vor allem eines beweist - außergewöhnliche Einfühlsamkeit in eine Welt, die parallel zu unserer Gesellschaft existiert. "Chiko" stellt perfekt das Prekariat dar, ein abgehängtes Abteil des rasant fahrenden Zuges Deutschland, in dem andere Gesetze und Werte gelten, ein Gefängnis ohne Gitter, dem man zumeist nur auf fragwürdigem Wege entkommen kann. Regisseur Yildirim ist es gelungen die Abgründe unserer Republik erschreckend real und ohne überladene Klischees auf die Leinwand zu bringen. Die herausragenden schauspielerischen Leistungen von Moschitto und Bleibtreu sowie die rasanten Schnitte untermauern die Authenzität dieses urbanen Meisterwerks. "Chiko" kann als modernisierte Ausgabe von "Scarface" betrachtet werden, ohne dabei dessen Zähigkeit zu besitzen. Chiko - der Tony Montana aus Hamburg.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Du kannst nicht sein wie ich!", 23. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Chiko (DVD)
Das schreit Chiko(Denis Moschitto) seinem Freund Tibet(Volkan Özcan) ins Gesicht, als der mal wieder Mist gebaut hat. Die tragische Freundschaft der beiden Männer ist zentraler Mittelpunkt von Özgür Yildirims Film, der von Fatih Akin mitproduziert wurde. Eben diese Freundschaft wird das Ende des Films besiegeln, in eindrucksvoller wie dramatischer Weise.
Chiko will ins Hamburger Drogengeschäft einsteigen. Zusammen mit seinem Freund Tibet, um dessen nierenkranke Mutter sich die beiden Türken liebevoll kümmern, versucht Tibet örtliche Dealer aus dem Geschäft zu drängen. Ziemlich schnell gerät er dabei an den Drogenboss Brownie(Moritz Bleibtreu) und beeindruckt ihn mit seiner Philosophie: Wenn du Respekt haben willst, darfst du vor niemanden Respekt zeigen! Brownie stellt die beiden ein, aber Tibet baut ziemlisch schnell Mist und wird von Brownie gnadenlos bestraft. So ist er draußen und Chiko steigt in Brownies Truppe wie ein Stern auf. Er wird zu Brownies Freund und mit brutaler Gewalt und knallharter Disziplin arbeitet sich Chiko zu einer Freundin, einem Mercedes und einer Wohnung nach oben. Allem, wovon er geträumt hat. Aber da ist immer noch Tibet und Chiko fühlt sich für ihn verantwortlich. Als Tibet wieder völlig ausrastet, soll Chiko ihn für Brownie beseitigen. Chiko kann das nicht und stellt sich damit gegen Brownie. Das setzt eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt in Gang, die am Ende ein Meer aus Blut und Tod zurücklässt.
Özgür Yilderim hat Chiko auf die knallharte Art und Weise verfilmt. Die Sprache des Hamburger Ghettos tut manchmal schon weh, die gezeigte Gewalt geht in einigen Szenen; jedenfalls meines Erachtens, knapp über die Grenze des Ertragbaren hinaus. Die Charkatere sind stilgerecht und sauber besetzt. Die Story geht ohne wenn und aber nach vorn. Moritz Bleibtreu spielt seine Paraderolle, den durchgeknallten, unberechenbaren Typ, der über Leichen geht. Denis Moschitto ist als Chiko eine Traumbesetzung. Unterlegt wird das Drama der Vorstadt mit der entsprechenden Szenemusik. Yildirim versucht uns ambitioniert zu zeigen, wie die jungen Türken "ticken", zwischen der Liebe zur Mutter und dem Traum vom großen Geld hin und her gerissen werden.
Chiko zeigt uns einerseits die Welt des Ghettos, wie sich sich täglich abspielt, ohne dass wir das bemerken. Andererseits spielt Yildirim auch mit cineastischen Mitteln und seiner künstlerischen Freiheit. Das sorgt in wenigen Szenen dafür, dass die Realität ein wenig in den Hintergrund gerät. Chiko ist, obwohl unglaublich brutal in Bild und Sprache, ganz sicher ein wichtiger Film, der uns die dunkle Seite der Jugendkriminalität und Ghettobildung der Großstädte zeigt. Sehenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kurz und schmerzlich: Chikos Kiez-Karriere, 1. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Chiko (DVD)
Ein deutscher Gangsterfilm im Stil und mit der Härte von Martin Scorseses Mafia-Dramen - geht das? Es geht. Der türkischstämmige Autor und Regisseur Özgür Yüldirim beweist dies in seinem souverän inszenierten Drogenkrimi "Chiko", der Geschichte von drei Freunden, die sich auf ein gewagtes Spiel um Drogen und Macht im Milieu der Dealer und Zuhälter einlassen und dafür mit allem bezahlen müssen, was ihnen heilig ist. Chiko (Denis Moschitto, der schon in Kebab Connection als Ghettokind glänzte) will eine große Nummer in der von Türken dominierten Hamburger Unterwelt werden. Das geht so lange gut, bis seine privaten Belange mit denen seiner kriminellen Karriere kollidieren. Er gerät in eine Zwickmühle von tragischen Ausmaßen. Sein Kumpel Tibet nimmt am Ende die Rolle der Nemesis ein: Chiko muss für seine Vermessenheit den Höchstpreis zahlen...
Özgür Yüldirim ist ein Debütfilm von bedrückender Dichte und kompositorischer Eleganz gelungen. "Chiko" überragt in seiner inszenatorischen und erzählerischen Reife sogar noch das thematisch ähnlich gelagerte Untergrund-Drama Kurz und schmerzlos von Yüldirims Produzent Fatih Akin. Er spitzt die Handlung im Finale noch drastischer zu, lässt seinen Milieukrimi mit einer atemberaubenden Voltige in eine antike Tragödie umschlagen. Ein Film, den man sich auch als Beitrag zur Migrantendiskussion etwa in Schulen vorstellen könnte, doch dafür - das muss ich als Lehrer offen sagen - ist mir sowohl die Sprache auf Dauer zu rüde als auch vor allem die Sex-Szene zwischen Chiko und seiner Freundin, einer Prostituierten aus dem Milieu, zu hart und zu explizit ins Bild gesetzt. Das ist aber eigentlich der einzige Minuspunkt in einem rundum gelungenen und in jeder Einstellung authentisch wirkenden Gangsterfilm.
Für Freunde von Bushido, Jungs im Viertel, Knallhart, Kurz und schmerzlos.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|