Das schreit Chiko(Denis Moschitto) seinem Freund Tibet(Volkan Özcan) ins Gesicht, als der mal wieder Mist gebaut hat. Die tragische Freundschaft der beiden Männer ist zentraler Mittelpunkt von Özgür Yildirims Film, der von Fatih Akin mitproduziert wurde. Eben diese Freundschaft wird das Ende des Films besiegeln, in eindrucksvoller wie dramatischer Weise.
Chiko will ins Hamburger Drogengeschäft einsteigen. Zusammen mit seinem Freund Tibet, um dessen nierenkranke Mutter sich die beiden Türken liebevoll kümmern, versucht Tibet örtliche Dealer aus dem Geschäft zu drängen. Ziemlich schnell gerät er dabei an den Drogenboss Brownie(Moritz Bleibtreu) und beeindruckt ihn mit seiner Philosophie: Wenn du Respekt haben willst, darfst du vor niemanden Respekt zeigen! Brownie stellt die beiden ein, aber Tibet baut ziemlisch schnell Mist und wird von Brownie gnadenlos bestraft. So ist er draußen und Chiko steigt in Brownies Truppe wie ein Stern auf. Er wird zu Brownies Freund und mit brutaler Gewalt und knallharter Disziplin arbeitet sich Chiko zu einer Freundin, einem Mercedes und einer Wohnung nach oben. Allem, wovon er geträumt hat. Aber da ist immer noch Tibet und Chiko fühlt sich für ihn verantwortlich. Als Tibet wieder völlig ausrastet, soll Chiko ihn für Brownie beseitigen. Chiko kann das nicht und stellt sich damit gegen Brownie. Das setzt eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt in Gang, die am Ende ein Meer aus Blut und Tod zurücklässt.
Özgür Yilderim hat Chiko auf die knallharte Art und Weise verfilmt. Die Sprache des Hamburger Ghettos tut manchmal schon weh, die gezeigte Gewalt geht in einigen Szenen; jedenfalls meines Erachtens, knapp über die Grenze des Ertragbaren hinaus. Die Charkatere sind stilgerecht und sauber besetzt. Die Story geht ohne wenn und aber nach vorn. Moritz Bleibtreu spielt seine Paraderolle, den durchgeknallten, unberechenbaren Typ, der über Leichen geht. Denis Moschitto ist als Chiko eine Traumbesetzung. Unterlegt wird das Drama der Vorstadt mit der entsprechenden Szenemusik. Yildirim versucht uns ambitioniert zu zeigen, wie die jungen Türken "ticken", zwischen der Liebe zur Mutter und dem Traum vom großen Geld hin und her gerissen werden.
Chiko zeigt uns einerseits die Welt des Ghettos, wie sich sich täglich abspielt, ohne dass wir das bemerken. Andererseits spielt Yildirim auch mit cineastischen Mitteln und seiner künstlerischen Freiheit. Das sorgt in wenigen Szenen dafür, dass die Realität ein wenig in den Hintergrund gerät. Chiko ist, obwohl unglaublich brutal in Bild und Sprache, ganz sicher ein wichtiger Film, der uns die dunkle Seite der Jugendkriminalität und Ghettobildung der Großstädte zeigt. Sehenswert!