Ich habe den Film mit meinen beiden Jungs im Kino gesehen, und - ganz ehrlich - mich entschlossen, spätestens mit Erscheinen von Chihiro auf DVD einen DVD-Player anzuschaffen.
Der Film ist meisterhaft in jeder Hinsicht, und ich bin keiner, der sonst auf japanische Animation stehen würde. Nicht zu unrecht gewann der Film den Oscar vor seinen populären Konkurrenten wie Ice Age oder Disneys Schatzplanet. Angefangen von der traumhaften Musik - alleine deswegen DVD mit Anschluss an vernünftige Boxen! - über die Originalität der Handlung bis hin zur Vielschichtigkeit der Charaktere - dieser Film ist ein großes Werk des ohnehin genialen Zeichners Miyazaki. Es gibt in diesem Film nicht DIE bösen und DIE guten Charaktere - was zunächst bedrohlich erscheint, kann sich als hilfreich entpuppen, was freundlich ist, kann Gefahr bedeuten.
Chihiro macht einen Wandel durch, sehr liebvoll und glaubhaft dargestellt. Die ersten 30 Minuten sind dabei - dies als Warnung - für kleine Kinder sehr schwer durchzuhalten, wenn sie zunächst aus ihrer Welt gerissen wird, ihre Eltern ihr nicht mehr beistehen können und überall Fremdes und Gefahren lauern. (Mir ist nicht ganz klar, wieso der Film ohne Altersbeschränkung freigegeben wurde). Chihiros Reise beginnt gehetzt und verwirrend, und erst am nächsten Tag, als sie zur Ruhe kommt und die Sonne scheint und sie Hilfe gefunden hat, brechen ihre Emotionen durch, scheint sie das Ausmaß zu begreifen, was passiert. Für den Zuschauer, der eher an die glatten Abläufe der Disney-Filme gewöhnt ist, kommt dies überraschend und ist um so ergreifender. Miyazaki lässt der Figur die Zeit, sich zu entwickeln, die Gefühle und Gefühlsausbrüche wirken nicht schablonenhaft und zweidimensional, und das gibt den Charakteren eine Authenzität, die erstaunlich ist angesichts des Handlunsrahmens! Und das geht nicht zu Lasten der Originalität und Atmosphäre dieser Zauberwelt!
Miyazaki sagte (sinngemäß) in einem Interview, er habe diese Geschichte für ein verwandtes Mädchen kurz vor der Pubertät geschrieben als Ermutigung, sich den Dingen im Leben zu stellen und der eigenen Kraft zu vertrauen. Er hat einen meisterhaften Film dafür gemacht, der sich wohltuend abhebt von allem, was das Genre in den vergangenen Jahren zu bieten hatte.