Sehr sympathisch und mit viel Detailwissen präsentieren Autorin und Fotograf eine Gegend, die den Vergleich mit internationalen Touristenattraktionen nicht scheuen muss. Am Chiemsee gibt es praktisch alles: Wasser und Wellness, Sonne und Sport und natürlich vor allem Berge, die zum Wandern, Klettern und Mountainbiken einladen. All diese Möglichkeiten werden im vorliegenden Buch vorgestellt. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen trockenen Führer, sondern um lebendige Beschreibungen, die auf persönlichen Erfahrungen basieren. Daher lässt sich das Buch angenehm lesen und enthält jene individuelle Note, die jeder zu schätzen weiß, der wenig von Pauschalreisen hält.
Dank der Vielseitigkeit der Themen und Erläuterungen mag mancher Sportler neugierig werden auf die verborgenen Schmuckkästchen von Romanik und Gotik, die ein paar Dorfkirchen rund um den Chiemsee bereithalten, etwa Urschalling und Rabenden. Und die anschaulich und realistisch dargebotenen Wanderrouten und Beschreibungen der botanischen und zoologischen Höhepunkte des Chiemgaus vermögen es, Kulturreisende zu einer sportlichen Erkundung der Region zu veranlassen.
Zu einem erheblichen Teil tragen die bezaubernden Fotos dazu bei, potenzielle Chiemgau-Reisende in ihrer Absicht zu bestärken, jenen aparten Teil Bayerns und Österreichs zu besuchen. Andreas Strauß versteht es, eine Vielzahl von Eindrücken perfekt einzufangen und wiederzugeben, seien es jahres- oder tageszeitlich bedingte Stimmungen in den Bergen und am See, seien es Tiere und Pflanzen, die typisch sind für den vorgestellten Teil der Alpen, seien es Menschen, die lokales Brauchtum pflegen: Im wahrsten Sinne des Wortes erscheinen die Motive im besten Licht.
Die Autorin hütet sich indes, allzu sehr zu romantisieren. Den Sennenberuf stellt sie im Kapitel über die Almwirtschaft keineswegs rosig, sondern sehr realistisch vor, das heißt aber auch: ohne überzogenen Pessimismus. Denn der Tourismus bietet dem Senn oder der Sennerin, wie im präsentierten Beispiel, eine Chance, letztlich schwarze Zahlen zu schreiben, was über die reine Milchwirtschaft nicht möglich wäre.
Der Preis dieses Buchs ist nicht gerade niedrig, wird jedoch durch die hohe Qualität der Texte und Bilder relativiert, zumal die begrenzte Zielgruppe natürlich die Auflage einschränkt. Insgesamt ein ausgesprochen lesens- und betrachtenswertes Buch, nicht nur für eingefleischte Bayern-Freunde!