Von zwei Jugendlichen, die ab und an über die Stränge schlagen, wird einer Gangster, einer Priester. Als Erwachsener treffen sie wieder aufeinander und auf Jugendliche, die genauso sind wie die beiden einst... Mehr soll auch nicht verraten werden über den Inhalt dieses sehr sehenswerten Films. Der Streifen ist einer der besseren der Warner-Brothers-Gangsterfilme. "Besser" heißt in diesem Fall: Schneller Rhythmus, gute schauspielerische Leistungen, für 1938 recht viel Action und dann doch einigermaßen vielschichtige Charaktere. Die gute Extraausstattung und der wirklich einmal hörenswerte Audiokommentar der DVD (leider ohne Untertitel, aber gut verständlich) haben mir insbesondere eines bewußt gemacht: wie genau ins Detail die Zensurauflagen eigentlich gingen. Ich betone das deshalb, weil solche Auflagen einen Film zum Guten oder zum Schlechten wenden können, hier haben sie gezeigt: Zensur kann ungeahnte kreative Talente befördern. Das soll jetzt keine Streitschrift für die Wiedereinführung des Hays Office werden, aber der Regisseur Mike Curtiz (u.a. Robin Hood, Casablanca), der hat sich schon was einfallen lassen... Auffällig oft haben wir z.B. bei den Gewaltszenen Spiegel, Schatten, oder der Film zeigt nur Menschen hinter Milchglastüren etc. Man kann nach dem Audiokommentar vermuten, daß dies gemacht wurde, um die Zensoren zu beruhigen, aber da sieht man mal, wie beschränkt die waren: Die Gewalt wirkt dadurch viel beunruhigender und komischerweise realistischer, als wenn man nur sieht, wie jemand ohne Kunstblut getroffen zusammensackt o.ä. Im Übrigen ist der Film auch um Kreativität bemüht, wenn es mal nicht aus Zensurgründen geschieht. Ein aufwändig eingerichtetes Filmset mit langen Schwenks, bei denen ich-weiß-nicht-wieviele Leute zum richtigen Zeitpunkt das Richtige machen müssen, viele Szenenanfänge mit herausgehobenen Gegenständen oder aus ungewöhnlicher Perspektive, stimmungsvolle Bilder im Gegenlicht, Schattenspiele, schnelle Montagen unter geschickter Einbindung von Zeitungsschlagzeilen (einmal sogar ein Wechsel vom Zeitungsbild zum bewegten Bild, scheinbar ohne Schnitt, sehr gut für 1938), das hebt den Film doch sehr über den Durchschnitt.
Kleine Einschränkungen: 1. Ann Sheridan ist mit einer kleineren Rolle etwas unterfordert, eine wichtige Frauenrolle gibt es eigentlich nicht (das mag man aber goutieren, wenn man sich der Ansicht des Audiokommentators anschließt, die wichtigste Beziehung sei nun mal die zwischen dem Gangster und dem Priester, ohne das jetzt homoerotisch nennen zu wollen) / 2. Das etwas moralinsaure Ende, da hat die Zensur dann doch ein wenig geschadet. Damit im Zusammenhang steht, daß die Charakterisierung der einzelnen Straßenjungs, der "Dead End Kids", hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, die etwa in dem Film "Dead End" (USA 1937, Regie: William Wyler) genutzt werden. Dieser ist auch in seinem Fatalismus noch ein wenig eindrücklicher als "Engel mit schmutzigen Gesichtern", bei dem man irgendwie spürt, dass es am Ende noch Hoffnung gibt, weil das einfach so sein musste. Dennoch: Das genügt noch nicht für einen Stern Abzug, es bleibt der Eindruck eines hellwachen, vitalen Streifens auf einer sehr gut ausgestatteten DVD (wenn auch mit kleineren Abstrichen in der Bildqualität). Sehr zu empfehlen!