Tony Chu ist ein guter Polizist.
Er erledigt seinen Job nach Vorschrift, achtet auf jedes noch so kleine Detail, kann hervorragend kombinieren und sobald er sich einmal an etwas festgebissen hat (jetzt noch nicht im wörtlichen Sinne), lässt er auch nicht locker bis er sein Ziel erreicht hat.
Tony Chu hat auch keinen Sinn für Humor und notfalls auch keine Skrupel seinen eigenen Bruder wegen illegalen Besitz von Geflügel zu verhaften ('Ist selber dran schuld'). Die Bezeichnungen, die er dafür erhält, sind oftmals nicht sehr schmeichelhaft.
Doch was am wichtigsten ist, ist der Fakt dass Tony Chu ein Cibopath ist. Das heißt er kann in ein Stück Fleisch beißen und genau feststesllen, wie das arme Tier starb und woran es sich in den letzten Momenten seines Lebens erinnern kann. Dies funktioniert allerdings auch bei Menschen und reicht über die letzten Augenblicke hinaus. Und genau das macht ihn für die Regierungsbehörde FDA, deren Spezialgebiet es ist eine von der Regierung verhängten Hühnchenprohibition durchzusetzen und bizarre Mordfälle aufzuklären, interessant, was dazu führt dass sie ihn einstellen und er leider mehr als nur einmal unter seiner ,,Gabe'' leiden wird.
,,Chew'', geschrieben von John Layman und Rob Guillory, geizt nicht mit Ekelhumor und spielt auch mit den Ängsten seiner Leser (wer hat sich nicht schon mal in einem Fast Food- Restaurant die Frage gestellt, ob einen der Mann oder die Frau hinter dem Tresen in den Becher gespuckt hat?), beschränkt sich glücklicherweise aber nicht nur darauf, sondern sticht auch mit seinen cleveren Dialogen, seinen liebenswerten Figuren (man muss den miesepetrigen und humorlosen Tony, wie auch seinen titanischkorpulenten und sich ausgewählt eloquent auszudrückenden Partner Mason Savoy einfach mögen) und der auf die Ernährung fokussierten Thematik aus der Masse der durchschnittlichen Comicserie heraus.
Der Humor steht eindeutig im Vordergrund, doch kommt es auch zu einigen ernsten Momenten, die die Serie davor bewahren vollends ins Reich des Albernen abzugleiten. Auf der anderen Seite sind es auch die betont cartoohaften und übertriebenen Zeichnungen von Rob Guillory, die einen den Band angesichts der doch sehr heiklen und Magen umdrehenden Thematik, grün vor Übelkeit zuzuschlagen und beiseite zu legen. Diese Balance gibt Chew einen guten Start in seinen ersten fünf Ausgaben und macht auf jeden Fall neugierig auf mehr.
Und wem der erste Band gefällt und nicht abschreckt, der wird wohl auch mit Freuden beim zweiten Band zugreifen.