Aus Neugier, ich hatte Gershwins 'But Not For Me' noch in der famosen Interpretation der jungen Nana Mouskouri, produziert von Quincy Jones im Ohr, startete ich mit 'But Not For Me', gesungen vom jungen Chet Baker. Ein leicht frustrierendes Ereignis nach dem druckvollen, klar artikulierten Gesang der Mouskouri. Doch sind junge Künstler, Ausnahmetalente, zuweilen etwas schnöselig, dachte ich. Und Baker, viel eher bekannt für sein virtuoses Spiel auf der Trompete, war gewiss ein wenig exzentrisch. 'Time After Time' kam prompt ebenso distanziert und ich wollte die LP (inakustik) schon zur Seite legen; doch ab diesem Punkt lichtete sich der Schleier, das Ausnahmetalent hatte sich offensichtlich zuvor nur aufgewärmt. Fortan brilliert der Künstler mit einer ungemein zarten, fast zerbrechlich erscheinenden Stimme. Instrumente, außer Bakers eigenem Spiel, bleiben überwiegend verhalten im Hintergrund. Und doch entsteht ein harmonisches Wechselspiel zwischen den Akteuren. Selten wird die Wirkung von Pausen in der Musik so deutlich, so elementar wichtig wie hier. Es ist, als dränge einen die Scheibe zur inneren Ruhe, einem angenehmen Zustand der Ausgeglichenheit. Lässt man es zu, zieht Baker den geneigten Hörer einem Kreisel gleich weiter und weiter in einen, in seinen, musikalischen Kosmos voll pastellener Klangfarben. Plötzlich wird einem bewusst, wie genau, wie treffsicher die Arrangements ausgeführt sind, Instrumente und Stimme zu einem großen Ganzen verschmelzen. Überaus beeindruckend sind gerade die sehr leisen Vibrato-Töne Bakers, so virtuos und vielfältig, dass sie fast hypnotisch wirken.
Insgesamt ein famoses Album, besonders als LP von inakustik, das in seiner Ruhe und mit den vielschichtigen aber unaufdringlichen Facetten einen Kontrapunkt zur hektischen Gegenwart setzt. Auch klanglich gibt sich die Einspielung dezent, wirkt mehr durch das gelungene Miteinander der hervorragenden Musiker als durch analytische Präsenz. knut isberner