Ich bin seinerzeit auf 'CHESS' gestoßen, als mir das Konzeptalbum von 1984 in die Hände fiel. Es ist eine sehr gute Aufnahme, auch wenn sie später bekanntlich in vielfacher Weise erweitert wurde. Das musikalische Werk der ABBA-Köpfe ist dabei meines Erachtens nach schon immer maßlos unterschätzt worden. Wer heutzutage glaubt, die Jukebox-Musicals á la 'MAMMA MIA! oder im Grunde auch 'TARZAN' seien qualitativ den durchkomponierten Klassikern ebenbürtig, liegt falsch. Es gehört weitaus mehr dazu, ein harmonisches Konstrukt aus Leitmotiven und Variationen zu schaffen, so wie es bei 'CHESS' (und stets bei Andrew Lloyd Webber) gelang. Das Stück wartet dabei mit flottem Popstil, kraftvollen Balladen und einem wirklich bombastischen Finale auf. Sein einziges Manko liegt in dem hier bereits angesprochenen mangelhaften Libretto. Dass die Storyline sich über die Jahre ständig veränderte, hat sicherlich nicht gerade zum optimalen Verständnis der Geschichte und der Liedtexte beigetragen. Insbesondere zum Ende des zweiten Akts wird es zunehmend abstrus und zwar in jeder Fassung.
Dass die DVD allerdings ein wirklich großartiges Konzept festhält, steht für mich außer Frage. Charismatische Künstler, die mit großer Professionalität die teils extrem schwierigen Passagen elegant vertonen, machen das Zusehen wirklich lohnend. Besonders erfreulich ist dabei die exzellente Bildqualität und die gute Tonabmischung (wobei es leider einen kurzen Hänger im Stück 'Merano' gibt). Weniger erfreulich ist das NSTC-Format, was von meinem DVD-Player nicht korrekt gelesen wird. Außerdem ist das Booklet, wenn auch schön gestaltet, irgendwie etwas schlampert zusammengestellt worden, eine Überschrift fehlt beispielsweise. Wer also auch auf das Drumherum wert legt, ist möglicherweise enttäuscht, auch weil die DVD weder Bonusmaterial noch die hierzulande eventuell erforderlichen deutschen Untertitel enthält. Trotzdem spreche ich eine klare Kaufempfehlung aus, denn besser als in dieser Fassung wird man 'CHESS' wohl niemals sehen können. Vielleicht ist die konzertante Interpretation in ihrer Aufführungsart sogar einer szenischen vorzuziehen.