"Was da geschrieben steht, geht aber nicht nur ihn an,
sondern auch uns, denen es auch angerechnet werden soll."
(Röm 4,23)
Der Mann aus Schlesien, Johannes Scheffler (1624 - 1677), genannt Angelus Silesius, schreibt in der Zeit des 30jähigen Krieges das, was die Mystik des Mittelalters bereits an Botschaft vermitteltet. Doch dieser Schlesier ist radikaler, sein Werk ist ein Grenzwerk nahe der Blasphemie für jene Zeit. Gerade, wenn er Gott als nur existierend sieht durch ihn selbst, den Menschen. Seine Wahrheit entspricht nicht der gültigen Lehre, er nimmt die Dinge so, wie es das Volk versteht. Denn, "Wer sich erkennen kann, / Trifft inner sich oft mehr als einen Menschen an." Du bist! könnte er den Menschen zurufen wie einst Plutarch den Spruch aus dem Apollo-Tempel zitierte, denn in seiner prägnanten, kurzen Art der Botschaft weiß er verstanden zu werden. Auch wohl deshalb, weil ein jeder Gedanke mehrfach in anderen Versen (zweizeilig) wiederholt wird. Alles rangt sich, bewegt sich um die Frage, was haben Gott und Mensch, Mensch und Gott gemein und es erschließt sich der fragende Gedanke, der auch in späteren Jahren des 19. Jahrhunderts wieder von Bedeutung wird, ob die beiden nicht eins sind als Göttlichkeit im Menschen ("ich Gott in Gott" und umgekehrt die Menschwerdung Gottes) und doch entzweit durch den Gedanken der Hinwendung des Menschen zu Gott und umgekehrt der Geburt Gottes "All' Augenblick in dir".
Was in unendlicher Leidenschaft im Römerbrief den neuen Menschen verheißt, scheint auch hier beim schlesischen Engel von der Bedrängnis über die Bewährung zur Hoffnung im Menschen zu gelangen.
Soviel in Kürze, oder nach Angelus Silesius Beschluss: "Freund, es ist auch genug. Im Fall du mehr willst lesen, / So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen."
Einige Beispiele:
"Das äußere muß ein Weg zum innren Leben sein
Doch fängt das innre an, so geht das äußere ein."
"Die Ros`ist ohn` Warum, sie blühet, weil sie blühet,
Sie acht`t nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet."
"Wer sich verloren hat und von sich selbst entbunden,
Der hat Gott, seinen Trost, und seinen Heiland funden."
"Gott ist in mir, das Feu`r und ich in ihm der Schein:
Sind wir einander nicht ganz inniglich gemein?"
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