Eigentlich ist alles klar. Der Täter ist am Anfang des Buches bereits gefasst und hat auch gestanden. Aufklärungsarbeit muss also nicht mehr geleistet werden. Die Hauptperson ist daher auch kein Kommissar, sondern der Täter selbst, der vom Knast aus Briefe an den begutachtenden Therapeuten schreibt. In diesen Briefen wird dann auch so nach und nach deutlich, welches Verbrechen Rick begangen hat, weshalb man ihn Massaker-Mann nennt und wer die Opfer sind.
Rick ist 18, kommt aus einem Brandenburger Kaff, wächst bei seiner Tante Bambusch auf und zeichnet Comics. Sein Superheld Cherryman schafft das, was Rick nicht gelingt: Sich gegen die Brutalität Stärkerer zu wehren. Cherryman ist einer der witzigen Einfälle, die dieses Buch so gut lesbar machen, denn Cherryman ist ein Kirschbaum, der die Gegner mit Hilfe seiner Äste besiegt.
Rick dagegen kommt gegen die örtliche Schlägergang nicht an und wird schon sein ganzes Leben lang von ihr schikaniert.
Aber plötzlich wendet sich das Blatt. Die Schläger werden freundlich zu ihm, nehmen ihn in den Heimatschutz auf und verschaffen ihm sogar eine Lehrstelle als Gärtner. In Berlin! Rick hat zwar mit Nazis nichts am Hut, erst recht nicht mit dem Anführer des Vereins, aber die Aussichten sind einfach zu verlockend.
Rick ist außer sich vor Freude, zumal ihm die Arbeit Spaß macht und er auch noch ein nettes Mädchen und einen niedlichen Zweijährigen kennenlernt. Aber die Sache hat einen ganz großen Haken, und deshalb wird der friedliche und nette Rick zum Verbrecher.
Kann es einen ethisch akzeptablen Grund geben, ein sehr schweres Verbrechen zu begehen? Das ist die große Frage, die hier so luftig leicht angegangen wird, dass die Spannung der Handlung nicht beeinträchtigt wird und sich das Buch sehr flüssig lesen lässt.
Besonders positiv fand ich, dass die ethische Frage am Ende nicht beantwortet wird. Das Buch eignet sich daher hervorragend als Diskussionsanstoß, besonders für Jugendliche.